Da sagte sie sich: „Ich tu’s.“ Und ging ihm nach. Aber sie ließ eine weite Entfernung, so daß seine scharfen Augen sie nicht erkennen konnten, sonst hätte er womöglich einen anderen Rückweg genommen.
Als sie wohl eine Viertelstunde gegangen war, setzte sie sich auf den Grabenrand und wartete.
Die Dunkelheit fiel herab, und rings um sie sangen die Heimchen.
Da schämte sie sich sehr, daß sie mit schiefen Gedanken im Kopfe hinter ihm herlief. Wäre es wie früher aus großer und reiner Liebe geschehen, so hätte sie sich kein Gewissen gemacht, aber nun die Not sie zwang, kam sie sich als eine Betrügerin vor. Dabei fühlte sie wohl, daß ihre Liebe zu ihm nur noch größer und reiner war. Aber es hätte ihr keiner geglaubt. Und auch sie selber glaubte es kaum.
So verging eine geraume Zeit, da hörte sie seine Schritte näherkommen. Beinahe wäre sie jetzt noch weggelaufen, aber sie zitterte so sehr, daß sie die Kraft zum Aufstehen nicht finden konnte.
Er blieb vor ihr stehen und fragte: „Wer ist da?“
Und sie fragte: „Wie kommst du hierher?“
Da erkannte er sie und sagte: „Es wird dir zwar keiner was tun, aber Sitte ist es nicht, daß die Mädchen am Sonntagabend allein in den Wiesen herumlaufen.“
Sie erwiderte: „Was soll ich machen? Eine Freundin habe ich nicht, und der, der sich um mich kümmern sollte, der unterläßt es.“
Er fragte: „Meinst du mich?“