Und sie erwiderte: „Nein, ich meine den Jozup.“
Da setzte er sich neben sie und sagte: „Du hast Recht, Marinke, daß du mir Vorwürfe machst. Ich weiß, ich habe nicht gut an dir gehandelt, aber was sollte ich tun? Der Vater verlangt es so und hat mir einen schweren Eid abgenommen.“
Sie zuckte die Achseln und sagte: „Was ist ein Eid? Für dich schwör’ ich fünftausend, und wenn sie zufällig falsch sind, dann lach’ ich.“
Er antwortete: „Dies war kein gewöhnlicher Eid, wie man ihn etwa vor Gericht schwört. Der ging um meinen Tod und um deinen Tod, und zwei Lichter brannten rechts und links vom Gesangbuch.“
Sie sagte: „Dein Vater könnte auch was Besseres tun, als zwei Liebesleute zu ängstigen.“ Und dann fragte sie ihn, ob es darum gewesen war, daß er sich bei jener Fahrt nach Augustenhof vor ihr versteckt hatte.
Er sagte: „Ja“, und sie legte den Kopf auf seine Kniee und schluchzte. Sie dachte nicht mehr an das, was sie mit ihm vorhatte, nur sattweinen wollte sie sich.
Den Jurris kostete es große Mühe, sie wieder in die Höhe zu kriegen, und dann küßte er ihr die Tränen von den Backen und weinte mit ihr.
Sie wollte ihm wehren, denn sie dachte: „Ich taug’ ja nichts mehr,“ aber sie war so glücklich, wieder bei ihm zu sein, daß sie den Mut dazu nicht fand.
Als sie heimgingen, hatte jeder den Arm um des anderen Hüfte gelegt, und der Jurris sagte: „Jetzt ängstige ich mich nicht mehr vor dir, denn ich weiß, es kann nichts Böses geschehen.“
Das gab ihr einen Stich durch die Brust, denn es mußte ja was Böses geschehen. Heut’ oder nächstens. Und ob es auf Tod oder Leben ging — gleichviel.