Wenn sie an ihrem klappernden Stock über den Hof gehumpelt kam, gab es der Marinke stets einen Stich durch das Herz, und sie dachte in ihrem Innern: „Bin ich erst in dem Wolfsnest drin, dann werde auch ich das Hemd auf den Schultern mit meinen Tränen waschen.“ Denn so heißt es in dem alten Liede.

Manchmal kam ihr wohl der Gedanke, sich nach der Entbindung ins Elternhaus zurückzubegeben; aber wie man sie aufnehmen würde, wenn sie mit dem Kinde auf dem Arm um Unterkunft bat, daran gab’s nicht den mindesten Zweifel. Im übrigen wäre auch das vergebens gewesen. Der Jozup hätte sie auch von dorther geholt.

So neigte sie sich also in Demut vor dem kommenden Schicksal, und nur die bösen Augen der Alten machten ihr Angst.

Eines Tages sagte die Mutter zu ihr: „Was will die alte Wölfin immer von dir? Du willst ja nichts von ihr.“

Aber was der Jozup wollte, davon ahnte sie nichts.

Und eines späteren Tages — der kleine Jurris mochte acht Wochen gewesen sein — da kam er in Sonntagskleidern zu ungewohnter Stunde und setzte sich neben die Wiege, die gerade ohne Aufsicht neben der Haustür stand.

Die Mutter, die heraustrat, erschrak sehr, denn beim ersten Blicke hatte sie den Mann, der sich tief über das schlafende Kleine beugte, gar nicht erkannt.

Er richtete sich auf und sagte: „Der Tote ist mein Freund gewesen, und ich habe sein Kind bis heute noch nicht gesehen.“

Und die Mutter sagte: „So sieh es dir ordentlich an.“

Aber er tat nichts dergleichen, sondern fragte sogleich: „Habt ihr auch schon daran gedacht, ihm einen Vater zu geben?“