Der Jozup war rasch von Begriffen. Er sah gleich ein: wenn er nicht drohte, kam er zu nichts.
„Na, gut,“ sagte er, „dann muß ich doch wohl meiner Mutter erzählen, was zwischen uns passiert ist an jenem Sturmtag, als dem Jurris sein Kahn koppheister schoß. Was weiter geschieht, dafür wird sie dann schon sorgen.“
Die Marinke sah vor sich nichts als Schmach und Beschmutzung. Und auch des Jurris’ Andenken würde beschmutzt sein bis in die Ewigkeit. Darum wurde sie stark in ihrer Schwäche und sagte: „Ein Eid gilt dir nichts,“ — daß er auch ihr einmal wenig gegolten hatte, daran dachte sie nicht — „und so schwör’ ich erst gar nicht. Aber was ich jetzt sage, das ist so wahr, wie daß der Jurris nicht wiederkommt. Wenn du mich heiraten willst, so werd’ ich nicht widerstehen und werd’ auch das Kind bei mir behalten, bis wir beide ein eigenes kriegen. Dann muß es zu denen zurück, die es beerben wird. Sagst du aber deiner Mutter oder sonst einem auf der Welt, was du mir angetan hast, dann nehm’ ich mir am selbigen Tage den ersten besten Kahn von denen, die am Ufer stehen, und fahre hinaus und komme nicht anders wieder, als einstmals der Jurris kam. Nun weißt du’s.“
Damit hob sie den Wäschekorb auf und schritt an ihm vorüber dem Hofraum zu.
Er aber hatte seinen Willen. Und was heute noch daran fehlte, das mußte die Zukunft ihm bringen, wenn die Marinke erst ganz in seiner Gewalt war.
Am nächsten Vormittag kam die Alte auf Freischaft.
Sie sah noch böser, noch verdrossener aus, und als sie die Marinke küßte, war’s ihr, als gösse der blankzähnige Mund ein Gift über sie aus.
Aber sie widerstand nicht mehr.
Mochte die gute Mutter ihr auch weinend Rücken und Hände streicheln, mochte der gnitschige Vater ihr ein Viertel von seinem Vermögen versprechen, — sie blieb fest. Und auch was mit dem Kinde werden sollte, bestimmte sie nach ihrem Willen.
Der alte Enskys hatte schon alles besorgt, was nötig war, um den Enkel an eigener Kindesstatt anzunehmen, aber das durfte nun erst in Kraft treten, wenn Marinkes Leib von neuem gesegnet war. Bis dahin sollte der Kleine bei seiner Mutter verbleiben, und der Jozup durfte die Vaterrechte ausüben, wie jeder Stiefvater es tat.