„Und als du merktest, daß du ein Kind von ihm trugst, da suchtest du dir den Jurris als Vater dazu?“ fragte er immer noch freundlicher.
Sie schüttelte den Kopf. „Nein, das war anders.“ Und nun berichtete sie ihm der Wahrheit nach, wie der Wieszpatis sie noch einmal nach Augustenhof hatte hinkommen lassen — der Jozup selber war ja Vermittler gewesen — und wie sie allein hatte fahren müssen, weil der Jurris nicht war zu finden gewesen. Da hatte der Herr gesagt: „Wir wollen nun Abschied feiern, Marinke.“ Und sie hatte gebeten und gefleht: „Ach lassen Sie mich doch gehn, Ponusze.“ Aber er war ja der Herr, und sie hatte ihm schon so oft den Willen getan, daß sie meinte, sich ihm auch diesmal nicht weigern zu dürfen. Und von daher war alles Unglück gekommen.
Er sagte: „Ich habe das Gelöbnis getan, dich nicht zu schlagen. Und das ist dein Glück, sonst würdest du wohl nicht lebendig aus dieser Stube kommen. Auch sollst du mir zuerst einen Sohn zur Welt bringen, denn das bist du mir jetzt schuldig. Was ich dann aus dir machen werde, das weiß ich noch nicht. Aber ich rate dir, den Bengel, den du mir hergeschleppt hast, den schaffe mir aus den Augen. Denn Herrensohn ist Hurensohn. Und kommt er mir in den Weg, so schmeiß’ ich nach ihm mit allem, was ich grad finde. Und wenn es der Schleifstein ist.“
Die Marinke hob die Arme nach ihrem Manne auf und weinte und bat: „Wo soll ich hin mit ihm in meinem Zustand?“
„Das geht bloß dich an,“ entgegnete er und schritt aus der Türe.
Sie rannte, so rasch sie konnte, hinter ihm drein, um den Kleinen vor ihm zu sichern, der wohl irgendwo bei den Pferden im Gras saß. Und sie fand ihn auch glücklich und wartete ab, bis der Weg frei war, dann zog sie ihn rasch in die Klete.
„Hole mir Betten für mich und das Kind,“ sagte sie zu der Hausmagd, „denn hier werd’ ich wohnen, bis meine Stunde gekommen ist.“
Und der Kleine schrie nach dem Vater, er wolle hinaus und mit ihm spielen, wie er’s gewohnt war. Und sie hielt ihm den Mund zu aus Furcht, der Jozup möchte eindringen und mit ihm tun, was er gedroht hatte.
In der Klete hielt sie sich mit dem kleinen Jurris wohl vierzehn Tage auf und traute sich nicht, sie zu verlassen. Und die Mägde sorgten gut für sie, denn sie war ihnen immer eine freundliche Herrin gewesen.
Der Jozup aber gab keine Ruhe. Wenn er an der Klete vorbeiging, schüttelte er die Faust nach dem Fenster und stieß Schimpfwörter aus, wie man sie sonst nur an schlechten Orten hört.