Und so geschah es.
Es war schon dunkel, als sie mit dem Kleinen auf Augustenhof eintraf. Der Schweizer in der Meierei sah sie mißtrauisch an, aber sie kümmerte sich nicht um ihn, sondern nahm den kleinen Jurris bei der Hand und schlug den Weg zum Herrenhause ein.
Als sie an den Bach kam, der vom Hofteich in den Garten läuft, schlug ihr das Herz so sehr, daß sie meinte, über das Brückengeländer fallen zu müssen, und als sie gar lachende Stimmen auf der Veranda hörte und milchfarbene Windlichter sah, da war es vollends mit ihren Kräften zu Ende.
„Wer ist da?“ hörte sie die Stimme des Herrn.
Und da sie nicht zu antworten vermochte, sagte er weiter: „Sieh doch einmal nach, Agnes, wer da ist.“
Ein junges Mädchen kam die Treppenstufen herab — sollte das wirklich die Agnes sein? — und fragte: „Was wünschen Sie?“ Und da sie noch immer nicht antwortete, rief das Mädchen hinauf: „Eine Frau ist da mit einem Kinde, aber sie spricht nichts.“
Da kam er, der Herr, selber die Treppe herab. Und sie neigte sich vor ihm und küßte ihm den Ärmel.
„Ich kann nicht recht sehen,“ sagte er. „Bist du etwa die Marinke?“
Da bekam sie die Sprache wieder und sagte: „Die bin ich.“
„Komm herein,“ befahl er und schritt ihr und dem Kinde voran die Stufen empor, an lauter Herrenleuten vorbei — jungen und alten —, es waren deren mindestens sechs oder sieben. Sie erkannte die gnädige Frau, der küßte sie rasch noch die Hand, und dann ging sie durch die Sommerstube und den Saal und den mittleren Korridor immer hinter ihm her, und der Kleine war tapfer und quarrte nicht im geringsten.