Dort standen die beiden und warteten ihrer.

„Ach, möchten sie mich doch einladen, bei ihnen zu bleiben!“ dachte die Marinke. Aber sie taten es nicht. Wie konnten sie auch!

„Das Schriftstück bleibt in meiner Hand,“ sagte der Alte, „denn ich bin der Vormund.“

Und die Mutter geleitete sie noch eine Strecke ins Dunkel hinein und sagte zum Abschied: „Ich bin gesund und erst vierundfunfzig. Zwanzig Jahr’ hab’ ich gewiß noch. Und so lange wird es ihm gut gehn, das weißt du.“

Ja, das wußte die Marinke, und sie dankte ihr mit Tränen.

„Was wird aber mit dir werden?“ fragte die Mutter.

„Bet für mich, daß ich im Kindbett sterbe,“ sagte die Marinke und ging von ihr fort ...

Der Mond stand hoch — es war schon ein Herbstmond —, aber die Luft wehte warm wie im Juni.

Als die Marinke sich dem Wolfsnest näherte, überkam sie ein Schaudern. Der Hofhund würde bellen, bevor er sie noch erkannte, und darauf würde der Jozup, der einen leisen Schlaf hatte, hinausrufen: „Wer ist da?“ Und wenn sie dann sagte: „Ich bin es — ich, die Marinke,“ dann würde das Schimpfen losgehen — Klorke und Szunjôda und Pajudêle und alles, womit er sie sonst noch traktierte.

Sie hielt an und tat einen tiefen Atemzug. Niemand paßte ihr auf. Sie konnte die Nachtstunden nützen, wie es ihr einfiel. Aber wo sollte sie sie hinbringen? Denn sonst eine Heimat hatte sie nicht. Da fiel der Kirchhof ihr ein, auf dem sie so lange Zeit nicht gewesen war. Wie eine Erleuchtung kam es da über sie.