Da zog sie den Schenkungsbrief aus der Tasche und reichte ihn ihr.
Die Mutter traute ihren Augen erst gar nicht und ließ sich die Summe immer wieder von neuem sagen, bevor sie sie glaubte.
„Aber dann ist ja alles gut,“ sagte sie, „und dann will ich erst mal den Vater wecken.“
Die Marinke hatte Angst, der Alte würde sie und das Kind sofort zur Tür hinausweisen, aber die Mutter lachte nur, nahm den Brief und ging damit nach der Stube.
Es dauerte eine ganze Weile, ehe sie wieder da war, und hinter ihr in Hosen und Hemd, die Schlorren auf nackten Füßen, kam der Alte gesprungen — wie ein Wiesel kam er gesprungen — und bot der Marinke den Willkomm und klatschte den Kleinen aufs nackte Knie und wollte ihn selber ins Bettchen tragen, denn Kinder müßten mit den Hühnern zur Ruhe.
Die Marinke wußte nicht, wie ihr geschah. „In was für ein Bettchen?“ fragte sie.
„Nun, das für ihn bereit steht schon seit Jahren.“ Und er habe immer gesagt, das mit dem Wieszpatis sei nichts wie ein Schwindel. Das habe der Jozup sich ausgedacht, um ihn und die Mutter zu täuschen. Und nun sei es offenbar, denn für eigene Kinder gebe der Herr Westphal so viel bares Geld nicht aus, sonst wäre er längst schon ein Bettler.
Und als die Marinke ihm verwundert dreinreden wollte, stieß die Mutter sie an und sagte ihr leise: „Laß ihn nur immer. Er redet sich’s ein und wird’s auch den andern einreden — und so ist’s am besten.“
Da gedachte die Marinke der Worte, die der Herr zu ihr gesprochen hatte, ehe er die Schenkung niederschrieb, und dankte Gott, daß der Kleine nun wirklich die Heimat gefunden hatte noch am heutigen Abend.
Sie ließ es sich nicht nehmen, ihn selber auszuziehn, denn sie wußte wohl, daß es zum letzten Male geschah. Dann tat sie noch ein Gebet über ihm, siegelte ihm den Mund mit dem Zeichen des Kreuzes und ging vor die Haustür.