„In den sechsundzwanzig Jahren, die ich hier bin,“ sagte er, „ist kein Fremder ohne Trost aus dieser Stube gegangen, und dich, die ich mal sehr gern gehabt habe, die sollte ich einfach in die Nacht hinausschicken? Das geht nicht, Marinke, wenn ich dir auch leider was Anderes als Geld nicht zu bieten hab’.“
„Ich will kein Geld!“ stieß sie hervor.
„Verachte das Geld nicht,“ ermahnte er sie. „Denn es macht die Bösen gut und die Harten gefügig. Ich gebe sonst jeder, die ein Kind von mir hat oder wenigstens sagt, daß es von mir ist, tausend Taler mit auf den Weg. Und noch keine hat sich beklagt. Diesem Jungchen will ich eine Mitgift geben, dreimal so groß, so daß er als ein wohlhabender Erbe gelten kann, und du wirst sehen, er findet seine Heimat noch heute abend.“
Damit setzte er sich an den Schreibtisch und schrieb einen Schenkungsbrief über zehntausend Mark, und noch vieles andere schrieb er dazu, wie die Zinsen zu erheben seien und wie das Kapital einst ausgezahlt werden sollte. Das unterstempelte er mit dem Stempel des Amtsvorstehers, dessen Dienst er selber versah, und reichte es der Marinke.
Die dachte bloß immer das eine: „Aus mir kann nun werden, was will. Das Kind ist fürs Leben geborgen.“
13
Als die Marinke mit ihrem schlafenden Jungchen auf dem Enskysschen Hofe einfuhr, saß die Mutter gerade so wartend im Mondschein wie an jenem Abend vor sechs Jahren, von dem alles Unglück seinen Ursprung hatte.
„Der Vater ist schon lange zur Ruhe,“ sagte sie, „drum komm herein und stärke dich.“
Und nun saß die Marinke an der Feuerstelle genau so wie damals und aß und wußte nicht, was sie aß. Der Kleine aber schlief immer weiter.
Und die Mutter verlangte, sie solle erzählen.