Als sie fertig war, fuhr er ihm durch den Wuschelkopf und setzte ihn sacht auf die Erde. Sie kannte die Gewohnheit des Herrn. Er mußte die Beine freikriegen zum Rumgehen, denn das tat er immer, wenn ihm das Herz von irgend was voll war.
Er ging und ging, und dann klingelte er und sagte dem eintretenden Mädchen: „Man soll nicht auf mich warten — ich habe zu tun.“ Einst war sie selbst dieses Mädchen gewesen, und oft hatte er dasselbe zu ihr gesagt. Und dann ging er immer noch länger.
Schließlich blieb er vor ihr stehen und fragte: „Wie wirst du nach Hause kommen?“
„Der Enskyssche Milchwagen wartet auf mich,“ entgegnete sie.
Der große Augenblick war nun da. In ihm mußte das Schicksal des Kindes sich entscheiden.
„Die Enskene hat gemeint,“ stotterte sie, „weil es doch dein Fleisch und Blut ist, Herrchen, und ich nicht weiß, wohin mit ihm, so würdest du es vielleicht in Pflegschaft nehmen und es großziehen lassen auf deinem Hofe. Von Instleuten wohnen ja bei dir so viele.“
Ursprünglich hatte sie weit Größeres von ihm erbitten wollen, aber jetzt, da sie das vornehme Herrschaftshaus wiedergesehen hatte, fühlte sie, daß auch dieses Wenige schwer zu erfüllen war.
„Du vergißt, Marinke,“ sagte er, „daß da draußen die gnädige Frau sitzt, der ich Rechenschaft schuldig bin. Das Gerede würde sehr bald auch ihr zu Ohren kommen, und dann gäbe es Gram ohne Ende. Daß ich damals ihrem Wunsche nachgab, mit zu deiner Hochzeit zu kommen, war schon zu viel, aber ich mochte es ihr nicht abschlagen — auch um deinetwillen nicht, Kind, weil du so außer jedem Verdacht bliebst. Kommt’s nun aber heraus, dann ist jenes eine Verfehlung gewesen, die ich nie wieder gutmachen kann.“
Die Marinke verstand nicht recht, was er meinte, aber daß ihr Verlangen eine Vermessenheit war, das wußte sie nun.
„Ich werd’ denn man gehn,“ sagte sie zum zweiten Male. Diesmal fiel sie nicht von selbst zurück, sondern wurde von ihm an der Schulter gefaßt und festgehalten, so daß sie das Aufstehen vergaß.