Da faßte sie sich ein Herz und sagte frischweg: „Das Kind hier ist Ihr Kind, Ponusze.“

„Ei der Deiwel,“ sagte er und lachte hellauf, „das ist ja ganz was Neues.“ Dann nahm er den Kleinen bei der Hand, führte ihn unter die Lampe und betrachtete ihn von oben bis unten. „Wie gesagt, stramm ist er. Wenn er sich auswächst, kann er mir schon ähneln. Denn das weißt du ja, sie ähneln mir alle.“

Ja, das wußte sie wohl. Manchmal arbeiteten fünf oder sechs auf dem Hof. Wenn man die in eine Reihe stellte, sah einer aus wie der andere.

Und er fuhr fort: „An sich wär’s also schon möglich. Aber ich denk’, es ist deinem ertrunkenen Bräutigam seiner. Von dem, soviel ich weiß, hat er ja auch den Namen.“

„Das ist richtig,“ entgegnete sie, „aber von dem ist er nicht. Und von meinem jetzigen Mann ist er auch nicht.“

„War der denn auch dabei?“ fragte er, und sie konnte nicht anders als Ja sagen.

„Du — das ist aber ein bißchen reichlich,“ rief da der Herr und wußte vor Lachen sich nicht zu halten. Ach, dies Lachen tat ihr sehr weh!

Bis jetzt hatten sie Deutsch miteinander gesprochen. Aber die Marinke sah ein, daß sie in der fremden Sprache nicht vorwärts kommen würde, wenn sie ihm alles sagen wollte. Und das mußte sie jetzt tun, denn er allein konnte sie verstehen, und es drückte ihr längst schon das Herz ab.

Darum begann sie auf Litauisch zu erzählen, wie alles gekommen war. Er hörte ihr aufmerksam zu und wurde ernster und immer noch ernster.

Mitten darin griff er mit der Hand nach dem Kleinen und hob ihn sich auf das Knie. Und der hatte jetzt gar keine Furcht mehr vor ihm und lutschte still weiter.