„Na, na. Umsonst macht eine Frau, der es schwer fällt, nicht einen so weiten Weg. Also sag, braucht dein Mann eine Hypothek oder möcht’ er bauen oder sonst was? Ich geb’, was er will, denn ihr seid mir sicher.“
„Mein Mann braucht keine Hypothek,“ sagte sie, „und bauen möcht’ er auch nicht, aber es ist ’rausgekommen, was zwischen Ihnen gewesen ist, Herrchen, und mir.“
Er wandte sich auf dem drehbaren Sitz kurz nach ihr um, so daß es knarrte, und machte sich ganz krumm, um ihr mit finsteren Augen scharf ins Gesicht zu sehen. Der Lampenschein fiel hart auf ihn herab.
„Er ist ganz grau geworden,“ dachte sie. Und nun sah er vollkommen so aus, als wär’ er der Herrgott. Aber wie ein strenger und zorniger Herrgott sah er aus.
„Nur du und ich haben’s gewußt,“ herrschte er sie an, „und von mir hat’s keiner erfahren.“
Sie hätte nun sagen müssen: „Von mir auch nicht,“ aber ihre Angst vor ihm war so groß, daß sie sich keine Antwort getraute.
„Ich werd’ denn man gehen,“ sagte sie und versuchte aufzustehen. Aber sie war so schwach, daß sie wieder zurückfiel.
Da sah er wohl, daß er zu schroff zu ihr gewesen war. Die geschliffene Karaffe stand immer noch auf dem Tische. Aus der schenkte er ihr ein Glas Wein. Und das Büchschen mit Schokolade, aus dem sie manches liebe Mal hatte naschen dürfen, hielt er dem Kleinen hin. Der wollte erst nicht, aber was ihm in die hohlen Händchen geschüttet wurde, das nahm er.
„Nun laß uns vernünftig reden,“ sagte der Herr, „und erzähl alles.“ Aber sie konnte nicht. Sie saß bloß so da und sah vor sich hin.
„Marinke,“ sagte der Herr, „du bist einmal die Freude meiner Feierabende gewesen, und ich habe dir nie dafür gedankt. Du hast einen großen Stein bei mir im Brett. Denk daran und faß dir ein Herz.“