Wie sie auf dem Wege zur inneren Stadt an dem „Anger“ vorbeikommen, jenem großen, häuserbestandenen Sandplatz, auf dem die Vieh- und Pferdemärkte abgehalten werden, da hören sie aus dem Gebüsch, das den einrahmenden Spazierweg umgibt, ein lustiges Leierkastengedudel und sehen den Glanz von Purpur und von Flittern durch die Zweige schimmern.
Nun möchte ich den Litauer kennen lernen, der an einem Karussell vorbeigeht, ohne begierig stehen zu bleiben.
Die Sonne ist zwar bald hinter den Häusern, und morgen früh will Ansas beim Kuhfuttern sein, aber was kann der kleine Umweg viel schaden, da man ja so wie so an vierzehn Stunden kreuzen muß.
Und wie sie das runde, sammetbehangene Tempelchen vor sich sehen, dessen Prunksessel und Schlittensitze nur auf sie zu warten scheinen, da weist Ansas mit einmal fast erschrocken nach dem Leinwanddache, auf dessen Spitze ein goldener Wimpel weht.
Sie weiß nicht, was sie da kucken soll.
Er vergleicht den Wimpel mit den Wetterfahnen rings auf den Dächern. Es stimmt! Der Wind ist nach Süden umgeschlagen — und das Kreuzen unnötig geworden. In sieben Stunden kann der Kahn zu Hause sein.
Also ’rauf auf die Pferde! Die Indre wehrt sich wohl ein bißchen — eine Mutter von drei Kindern, wo schickt sich das? Aber in Tilsit kennt sie ja keiner. Also, fix, fix ’rauf auf die Pferde, sonst geht’s am Ende noch los ohne sie beide.
Und sie reiten und fahren und reiten wieder, und dann fahren sie noch einmal und noch einmal, weil sie zum Reiten schon lange zu schwindlig sind. Die ganze Welt ist längst eine große Drehscheibe geworden, und der Himmel jagt rückwärts als ein feuriger Kreisel um sie herum. Aber sie fahren noch immer und singen dazu:
„Tilschen, mein Tilschen, wie schön bist du doch!
Ich liebe dich heute wie einst!