„Und ferner ist die Wahrheit,“ nahm sie ihm die Rede aus dem Munde, „daß ich einen Tag und eine Nacht lang nachgesonnen habe, wie ich dich am besten vor der Leibesstrafe bewahren konnte, denn wenn ich einfach ausgesagt hätte: ‚Er ist zu der Zeit bei mir gewesen,‘ dann hätte mir keiner geglaubt. Darum hab’ ich der Madlyne eingegeben, sie habe dich aus dem Stubenfenster steigen sehen, während ich alles bestritt. Darum habe ich dir zehnmal vorgesprochen — alles — auch was du zu sagen hast, wenn ich die Schwurfinger erhebe. Denn du bist ja so dumm wie ein Deutscher.“

„Und du bist so klug wie der Teufel,“ erwiderte er.

„Es ist gut,“ sagte sie, in die Runde schauend, „daß uns hier niemand hören kann außer den Krähen, sonst wäre es um uns alle dreie geschehen. Aber man weiß nie, was noch werden kann, wenn sich einer im Zorn vergißt. Darum frage ich dich zum ersten und zum letzten Male: Willst du dein Versprechen halten?“

„Ich weiß von keinem Versprechen,“ stöhnte er.

„Natürlich weißt du von keinem Versprechen, aber ich weiß, daß seit zwei Jahren die Menschen mit Fingern nach mir zeigen und daß sich kein Freiwerber mehr bei mir sehen läßt — nicht für mich und auch nicht für die Madlyne, und seit Michaeli treffe ich keinen, der nicht speilzahnig fragt: ‚Weißt du, wer in Wiszellen bei den Kibelkas den Knecht spielt?‘ Darum frage ich dich zum überletzten Mal: Wann wirst du einen schicken, der die Heirat zwischen uns in Ordnung bringt?“

Er wand sich wie ein Aal unter dem Messer.

„Laß mir Zeit bis nach Fastnacht,“ bat er.

„Jawohl,“ höhnte sie, „erst bis nach Fastnacht — und dann bis zum Palmsonntag — und dann immer so weiter. — Aber es soll gut sein. Bis nach Fastnacht werd’ ich warten. Schickst du dann keinen, dann weiß ich, woran ich mit dir bin.“

Und es klang noch fast wie ein Schöndank, was er da stammelte.

Schon im Gehen, kehrte sie sich noch einmal um und sagte: „Die Leute erzählen sich, daß du das Kind, das bei den Kibelkas in Pflege ist, hältst wie eine Prinzessin. Laß das lieber sein. Deine Seele kaufst du doch nicht los, und der Gendarm wird aufmerksam, wenn er es hört.“