„Und mich genau ebenso,“ erwiderte sie, immer in der gleichen lächelnden Weise. „Aber seit Fastnacht sitzt der Böse in ihr, und sie spricht allerhand von dem Kinde, das auf dem Schoß des Hegemeisters gesessen hat, als das Unglück geschah, und das jetzt immer auf deinem Schoße sitzt. Und wie das wohl zu erklären ist, fragt sie dazu. Und keiner weiß. Aber ein bedenkliches Gesicht macht ein jeder.“
Er sah plötzlich in Tageshelle den Weg, den dieses rachsüchtige Geschwätz gehen würde. Und sah auch das Ende. Alute Lampsatis, die sonst so klug war, grub in ihrem sinnlosen Zorne ihm und sich selber die Grube.
„Ich werde ja noch am leichtesten wegkommen,“ sagte Madlyne mit ihrem lieblichen und verschämten Lächeln, als ob sie von Blumen oder Singvögeln spräche statt vom Zuchthaus oder noch Schlimmerem gar. „Denn ich war ja noch sehr jung und bin auch dazu angestiftet worden. Aber du, Miks Bumbullis, tust mir leid. Darum bin ich der Meinung, du läßt keinen Tag mehr verstreichen und kommst heute nachmittag zu uns auf den Hof. Dann wird sie schon Ruhe geben.“
„Wirt bei euch,“ sagte er, „kann ich nur sein unter einer Bedingung: daß Alute gut zu dem Kinde ist.“
„Das willst du mitbringen?“ fragte sie, und in ihrem Erschrecken verschwand zum ersten Male das Lächeln von ihrem Angesicht.
„Das will ich mitbringen,“ erwiderte er beinahe feierlich, „sonst komm’ ich nie und nimmermehr.“
Sie lehnte sich gegen einen Baumstamm und sah stumm in die Höhe. Und ihre wasserhellen Augen waren jetzt so blau wie der Osterhimmel. Dann sagte sie: „Zurzeit ist sie freilich dem Kinde noch bös gesinnt, denn sie meint, daß du es lieber hast als sie. Aber wenn du ihr den Willen tust und die Scham von ihr nimmst, wird sie sich wohl mit ihm versöhnen. Außerdem bin ich ja auch noch da, und ich hab’ Kinder sehr lieb.“
„Du wirst einen Mann nehmen und weggehen,“ entgegnete er finster.
„Wann hast du schon das Farnkraut blühen gesehen, daß du so allwissend tust?“ fragte sie und sah ihn neckend von unten auf an.
In diesem Augenblick erschien ihm sein Schicksal und das des Kindes nicht gar so drohend mehr, und er sagte: „Ich werd’ also kommen.“