Ob sie meinen Worten Glauben schenkte, war an nichts zu ersehen, aber ich nahm mir vor, mit den Eltern über diese Angelegenheit zu reden.
Nach dem Abendessen, wenn Clothilde gute Nacht gesagt, halten mich die Eltern zum Plaudern zurück. Besonders der Baron. »Erzählen Sie uns doch etwas, Fräulein Villinger; ich könnt' Ihnen den ganzen Tag zuhören«, behauptet er. Dann kommt regelmäßig das Erziehungsthema aufs Tapet. Hier gehen die Eltern ganz und gar aneinander. Die Baronin meint, durch Autorität, Sanftmut und Konsequenz müsse Clothildens leidenschaftliches Temperament schließlich der besseren Einsicht weichen. Der Baron zuckt die Achseln.
»Das Mädel ist nächstens dreizehn – hat deine Methode bisher etwas genützt, nachdem sie zehn Gouvernanten gehabt, die alle nach deinem Rezept handelten? Ich bin für die Reitpeitsche. Meine Pferde, meine Hunde, alle haben sie einmal gekostet, aber dies eine Mal half's.«
»Geh, damit ist dir's doch gar nicht Ernst,« sagte die Baronin, »dein Elferl und die Reitpeitsche.«
»Bin ich vielleicht ein schwacher Vater?« brauste er auf.
Wir lachten beide.
»So,« ereiferte sich der Baron, »aber in der Klavierstunde nehme ich mir die Freiheit und werfe ihr die Noten an den Kopf – o diese Klavierstunden!« Er fuhr sich in die Haare.
»Ihr habt beide keinen Funken Geduld,« sagte die Baronin, »aber immerhin solltest du mit gutem Beispiel vorangehen, Rudi.«
»Fällt mir gar nicht ein,« erklärte er, »Fräulein Villinger hat eine Engelsgeduld, was hilft's. Gar nichts hilft's.«
Ich fand den Augenblick günstig, den Eltern mein Erlebnis mit Clothilde bezüglich des Hampelmanns mitzuteilen.