Oh, die beiden, wie die jüngsten Mädele staffierten sie sich heraus. Ich nahm die Gitarre, Hermann einen Blechkessel mit Kochlöffel. Und wir sangen das alte Lied, das wir früher so oft gesungen:

»Kommt die Nacht mit ihren Schatten,
Schleich ich still zur Laube hin,
Setz mich traulich in den Mondschein,
In die Laube von Jasmin.

Doch allein so da zu sitzen,
Wird die Zeit mir gar so lang,
Um mein Liebchen herzulocken,
Laß ich schallen meinen Sang:
La la, La la, La la, La la –«

Also sangen wir unter Kriechbaums Haus, und unsere gravitätische Therese nahm ihr Schaltuch und improvisierte einen wunderschönen Mondscheintanz, der feenhaft wirkte. Oben standen sie am Fenster und lachten und fragten, und 's halb' Städtle lief zusammen. Da ging Hermann mit dem Hut in der Hand herum und sammelte Kreuzer, bekam aber nur einen – und ging dann ins Haus und wir hinterher. Herr Kriechbaum, der gleich zu merken schien, daß es sich nicht um Scheuernpurzler handelte, öffnete weit die Tür des freundlich beleuchteten Zimmers, und da ich nur große Leute gewahrte, rief ich in ungeduldiger Freude: »Lenele, Karolinele, wo seid ihr denn?«

Ach Gott, sie waren erwachsen und standen vor mir und wollten's ihrerseits nicht glauben, daß ich das Nannele sei, mit dem sie auf der Gasse gespielt. Da lag auch schon Caton am Hals der Großmutter, die weinte und lachte und behauptete, sie habe nie in ihrem Leben ein Weibsbild so lieb gehabt wie's Cattung. Und wohl oder übel mußten wir ein zweites Nachtmahl genießen, dem aber nur Hermann die nötige Ehre antat – und wandelten dann des Nachts, von den Kamerädle begleitet, unzähligemal hin und zurück, in Kindheitserinnerungen schwelgend, und fanden erst ein Ende, als der Nachtwächter uns antutete: »Die Uhr hat zwölfi g'schlage« – und hinzusetzte: »Marsch ins Bett, marsch ins Bett!«

Den anderen Morgen begleiteten uns die Kamerädle noch bis ins Münstertal, zu Bergmeisters, wo wir Mittag machten und zu unsrer großen Freude vor dem Haus ein Rößlein vorfanden, auf dem wir uns abwechselnd von der Mühsal des Wanderns ausruhen sollten. Es hatte aber keinen Frauenzimmersattel, was Caton jedoch nicht genierte, gleich saß sie oben und winkte mir, neben ihr Platz zu nehmen. Aber da ich nun einmal ein Hintenach-Gescheiterle bin, kam mir Lotte zuvor und stieg auf. Der Führer meinte: »Seid alleweg noch nit halb so schwer wie der Müller.«

Immer steiler und wilder wurde nun die Landschaft. Wie gern hätte ich diesen oder jenen Punkt gezeichnet, aber es gab kein Aufhalten, wenn ich die Gefährten nicht verlieren wollte.

Nach einer Stunde traten Caton und Lotte Theresen den Klepper ab, so daß diese die mühsamste Strecke reitend zurücklegen durfte. Nach einer Viertelstunde sah ich sie oben am Berg, am Waldrand, sich höchst schön ausnehmen, unserer wartend.

»Nannele, du dauerst mich,« rief sie mir zu, »mai, es ist auch herrlich, das Reiten.«

Aber ich hatte ja mein Catonele zur Seite, wahrlich, das ging mir über den Gaul. Trotz des mühsamen Steigens, wir konnten nicht fertig werden mit Erzählen, und ich hatte wieder jenes beglückende Gefühl seelischer Erleichterung durch Catons sonnige, das Leben so leicht nehmende Natur.