Da haben wir aber so gelacht und waren wieder Kinder und sind so voneinander geschieden.


Herr von Verleb wird sich verheiraten.

Es heißt, daß es auf eine glückliche Ehe schließen lasse, wenn der Mann nach dem Tode der Gattin sich bald wieder vermähle, weil ihm das Leben ohne sorgende Gefährtin nicht mehr möglich sei.

Du, liebe Caton, hast mir einmal ein beherzigendes Wort gesagt: »Unglücklich sein, ist keine Lebensaufgabe«. Also will ich das Gefühl überwinden, das mich bei dem Gedanken überkommt: Eine andere wird Marias schönes Heim bewohnen.

Ich bin froh und danke Gott, daß ich fort sein werde, wenn Verleb mit seiner Braut Visite macht.


Nun kurz vor meinem Weggehen wird Therese krank. Entsetzlich überkommt es mich: Wie kann ich denn gehen? Wer soll Mutter beistehen, wenn sie ihrer Stütze beraubt ist? Dieser Kampf ist noch das ärgste: Soll ich, darf ich gehen? Oder müßte ich bleiben? … Es geht besser. Therese muß nur noch zu Bett bleiben, um ihren Katarrh nicht der rauhen Märzluft auszusetzen. Nun ist es Mutter, die mich von allen Zweifeln, ob ich gehen oder bleiben solle, heilt. »Närrle,« hat sie gesagt, »wann denkst du ans Packen?« –

Wie doch Mutter das Aufrichten versteht! Wir sitzen an Theresens Bett und besprechen ganz heiter alles Nötige für die bevorstehende Reise. Lenchen kommt auch dazu. Wer kommt nicht? Man sollte meinen, es wäre eine Prinzessin krank, die täglich große Cour hält, wo sie alle Stadtbegebenheiten und Staatsangelegenheiten erfährt. Der großherzogliche Leibarzt fühlt ihr täglich den Puls, Hermann hat sie als Vorleser anzustellen geruht, wobei er noch gratis die Stelle eines Hofnarren übernahm. Ich bin als Nachtwächterin nicht eben hervorragend zu loben, da ich Therese stets meine Dienste anbiete, wenn sie schläft, während ich fest schlafe, wenn sie meiner Hilfe bedürfte.