30. März. Es will mir fast scheinen, als habe Theresens Krankheit eigens kommen müssen, um uns allen den Abschied zu erleichtern. Eine neue Sorge hatte unsere, auf einen Punkt gerichteten Gedanken plötzlich in Anspruch genommen, und nun wir jene los sind, legt sich's wie ein Gefühl der Dankbarkeit auf das kommende Weh.
Ich bin auf unserm lieben heimeligen Friedhof gewesen, wo da und dort auf den Gräbern schon Schneeglöckle und Aurikele sich hervorwagen. Zwei Kränze hatte ich geflochten für zwei teure Gräber – Maria von Verleb steht auf dem einen Kreuz. Auf dem andern, nahe bei der Kapelle: Amalie Kozlowska.
Aus dem Glanze ihres Daseins, beneidet von so vielen, waren sie abgerufen worden. – Und ich, die ich voll liebender Bescheidenheit die beiden Gottbegnadeten angestaunt, ich bin noch da, ich stehe an ihrem Grab, genieße das Licht der Sonne, sehe das junge Grün der Bäume sprossen und höre der Vögel Jubeltöne durch den stillen Friedhof schallen. – Mein Gott, der Du mir das schöne Leben noch ließest, wie danke ich Dir! –
Dinglingen, den 3. April 1835.
Unschätzbarste Eltern!
's ist eins, meine Gedanken sind doch bei Euch, warum soll ich sie Euch nicht sagen dürfen, da ich sie bekanntlich einmal nicht bei mir behalten kann. Noch dazu, da mir das Herbeischaffen des Schreibgerätes gar keine Umstände macht. Ich schreibe in einem abgelegenen Tanzsaal des Postgebäudes, mit einem Schreibepulver, in das ich die Feder nur ein einziges Mal zu tunken brauche, um einen noch längeren Brief zu schreiben, als dieser ausfallen wird, denn in einer halben Stunde geht die Post weiter. So wisset denn, Gott hat gleich wieder so viel Komisches auf meinen Lebensweg geschüttelt, daß es dem Abschiedsweh zur Unmöglichkeit wurde, mich zu übermannen, und ich wollte nur, Ihr hättet nach einer Stunde unsrer Trennung so herzlich lachen können wie ich über meine possierliche Reisegesellschaft im gelben, alterswackeligen Postwagen.