Abb. 95. Helgoland. Das Oberland und die Nordspitze.
(Nach einer Photographie von F. Schensky in Helgoland.)

Der Flecken Wyk im Südosten ist die bekannteste und wichtigste Ortschaft der Insel Föhr, berühmt durch sein seit 1819 bestehendes Nordseebad, das in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts ein Sammelplatz der dänischen Aristokratie gewesen ist. Die Könige Christian VIII. und Friedrich VII. hielten sich gerne hier auf. Wyk ist noch immer im stetigen Aufschwung begriffen, und 1899 wurde das Bad von 5169 Kurgästen besucht. Der Verein für Kinderheilstätten an den deutschen Seeküsten hat hier eine Kinderheilanstalt gegründet, ein Liebeswerk, das in erster Linie armen Kindern aus allen deutschen Gauen zu gut kommt, und in neuester Zeit ist an der Südseite von Föhr und nahe bei Wyk ein Nordsee-Sanatorium entstanden, das bezweckt, der leidenden Menschheit einen verlängerten Aufenthalt an der See zu ermöglichen und als Herbst- und Winterstation dienen soll.

Abb. 96. Helgoländerinnen.
(Nach dem Gemälde von Bennewitz von Loesen jr.)

Neben Wyk, das bei der Volkszählung von 1895 von 1154 Menschen bewohnt war, liegen noch eine große Anzahl von Dörfern auf dem im ganzen von etwa 5000 Menschen bevölkerten Eilande Föhr, so Alkersum, Boldixum, Goting, Nieblum, Övenum, Utersum u. s. f. Der höchste Punkt der Insel ist der 13 Meter hohe Sülwert bei Witsum am Südrande Föhrs. Etwas östlich davon, bei Borgsum ist ein alter Burgwall, dessen Errichtung ebenfalls auf den uns schon von Sylt her bekannten Ritter Claes Limbek, einen Vasallen König Waldemars von Dänemark, zurückgeführt wird. An Grabhügeln und anderen Denkmälern aus prähistorischer Zeit fehlt es auf Föhr ebensowenig als auf Sylt oder Amrum.

In Nieblum steht die große St. Johannis-Kirche, eine der größten Landkirchen des Landes, 58 Meter lang. Die Nordseite des Schiffes besitzt Stroh-, der übrige Teil des Gotteshauses Bleibedeckung. St. Johannis ist die Mutterkirche Föhrs, das außerdem noch im Westen, östlich von Utersum die St. Laurenti-Kirche und im Osten, in Boldixum ein dem heiligen Nikolaus geweihtes Gotteshaus hat. Eine Anzahl von Kirchen sind im Verlaufe der Zeiten durch die Fluten in die Tiefe gerissen worden, so beispielsweise die Hanumkirche, von der in einem Hause von Midlum noch Balken vorhanden sein sollen.

Das Föhringer Land ist gut bebaut; üppige Kornfelder und fruchtbare Wiesen bedecken es, und viel Wohlstand ist auf dem Eilande zu finden. Ihre reizende, durch schöne, große, in Filigranarbeit ausgeführte Silberknöpfe ausgeschmückte Nationaltracht haben die Föhringerinnen noch nicht in dem Maße abgelegt, wie die Frauen von Sylt. Die erheblichen Kosten bei der Neuanschaffung des Kleides mögen immerhin an dem allmählichen Verschwinden der Tracht auch auf Föhr Schuld tragen (Abb. [25][29]).

Nordstrand. Pellworm.

Nordstrand und Pellworm sind Reste der großen Insel Nordstrand, welche die Sturmflut 1634 zerrissen und zerstört hat. Das übriggebliebene östliche Stück ist das heutige Nordstrand, das westliche Pellworm, ein Ueberbleibsel vom Mittelstück bildet die Hallig Nordstrandisch-Moor (vgl. hier den Abschnitt über die Sturmfluten, [S. 26]).