»Fliehen Sie!« rief der General, doch noch immer wagte er es nicht, den Blick zu seinem Gast zu erheben. »Ich werde Sie nicht töten. Nein, ich werde mich nie zum Geschäftsführer des Schafotts hergeben. Aber gehen Sie – Sie flößen uns Abscheu ein.«
»Das weiß ich,« antwortete der Verbrecher resigniert.
»In Frankreich gibt es kein Fleckchen Erde mehr, darauf ich in Sicherheit den Fuß setzen könnte. Aber wenn die Gerechtigkeit im Sinne Gottes die besondern Fälle zu beurteilen wüßte, wenn sie sich herabließe, zu erforschen, wer von beiden das eigentliche Ungeheuer ist, der Mörder oder sein Opfer, dann würde ich mit Stolz unter den Menschen bleiben. Können Sie sich nicht denken, welche Verbrechen ein Mensch begangen haben muß, ehe er von einem andern Menschen mit dem Beil niedergeschlagen wird? Ich habe mich zum Richter und Henker aufgeworfen, ich habe die ohnmächtige menschliche Gerechtigkeit ergänzt. Das ist mein Verbrechen. Adieu, Herr! Trotz der Bitternis, mit der Sie Ihre Gastfreundschaft vermischt haben, werde ich deren gedenken. In meiner Brust wird gegen einen Menschen auf dieser Erde allzeit ein dankbares Gefühl wohnen, und dieser eine Mensch sind Sie … Aber ich hätte doch gewünscht, Sie wären edelmütiger gewesen.«
Er ging auf die Tür zu. In diesem Augenblick neigte sich das junge Mädchen zu ihrer Mutter und sagte ihr ein Wort ins Ohr.
»Ah …!«
Der General erschrak über den Schrei, der seiner Frau entfuhr, so heftig, als hätte er Moina tot gesehen. Helene stand hochaufgerichtet da, und der Mörder war unwillkürlich umgekehrt, und auf sein Gesicht trat der Ausdruck einer gewissen Sorge um diese Familie.
»Was haben Sie, liebe Frau?« fragte der Marquis.
»Helene will mit ihm gehen,« sagte sie.
Der Mörder errötete.
»Da meine Mutter so schlecht einen fast unwillkürlichen