Ausruf auslegt,« sagte Helene mit leiser Stimme, »so werde ich zur Tat machen, was sie im Herzen wünscht.«
Nachdem das junge Mädchen einen stolzen, fast wilden Blick um sich her geworfen hatte, senkte sie die Augen und stand in einer bewundernswerten Haltung der Bescheidenheit da.
»Helene,« sagte der General, »du bist in die Kammer hinaufgegangen, in die ich diesen Menschen gebracht hatte –?«
»Ja, mein Vater.«
»Helene,« fragte er mit einer von heftigem Zittern entstellten Stimme, »ist es das erstemal, daß du diesen Menschen gesehen hast?«
»Ja, mein Vater.«
»Dann ist es unnatürlich, daß du die Absicht hast …«
»Wenn es unnatürlich ist, so ist es doch wenigstens wahr, mein Vater.«
»Ha, meine Tochter,« sagte die Marquise mit leiser Stimme, doch so, daß ihr Mann es hörte, »Helene, du verleugnest alle Grundsätze der Ehre, der Bescheidenheit, der Tugend, die ich in deinem Herzen zu entwickeln versucht habe. Wenn du bis zu dieser unseligen Stunde nie anders als verlogen gewesen bist, dann bist du nicht zu bedauern. Ist es die moralische Verkommenheit dieses Unbekannten, die dich verlockt? Wäre es die Gewalt, die allen Menschen zu eigen sein muß, die ein Verbrechen begehen – –? Ich achte dich immer noch zu sehr, als daß ich glauben könnte –«
»O, glauben Sie immerhin alles, Madame,« antwortete Helene in kaltem Tone.