Und der »Sankt Ferdinand« wurde von dem »Othello« mit bewundernswerter Geschwindigkeit geentert. Gemäß den Befehlen, die der Korsar mit leiser Stimme erteilte und der Leutnant wiederholte, gingen die Leute, wie Seminaristen, wenn sie zur Messe gehen, an Bord der Prise, fesselten die Matrosen und Passagiere und bemächtigten sich der Schätze. In einem Augenblick waren die Tonnen voll Piastern, die Lebensmittel und die Mannschaft vom »Sankt Ferdinand« auf das Verdeck des »Othello« gebracht worden.

Der General glaubte im Banne eines Traumes zu stehn, als ihm die Hände gefesselt und er auf einen Ballen geworfen wurde, ganz als ob er selber nur ein Stück Ware sei. Eine Beratung fand zwischen dem Korsaren, dem Leutnant und einem Matrosen statt, der den Posten eines ersten Maats zu haben schien. Als die Unterredung, die nur kurze Zeit währte, zu Ende war, rief der Matrose durch einen Pfiff seine Leute herbei. Er erteilte ihnen einen Befehl, und sie sprangen alle auf den »Sankt Ferdinand«, kletterten am Tauwerk in die Höhe und begannen, das Schiff seiner Rahen, Segel und Takelage zu berauben,

mit der gleichen Geschwindigkeit, mit der ein Soldat auf dem Schlachtfelde einen toten Kameraden entkleidet, dessen Schuhe und Mantel ihm begehrenswert erschienen sind.

»Wir sind verloren,« sagte zum Marquis der spanische Kapitän, der mit den Blicken die Gebärden der drei Anführer während ihrer Beratung und die Bewegungen der Matrosen verfolgt hatte, die die regelrechte Plünderung seiner Brigg vornahmen.

»Wieso?« fragte der General gelassen.

»Was denken Sie, was sie mit uns machen werden?« versetzte der Spanier. »Sie haben ohne Zweifel erkannt, daß sie den »Sankt Ferdinand« nicht gut in den Häfen von Frankreich und Spanien verkaufen können, und so wollen sie ihn nun versenken, um ihn los zu werden. Und was uns betrifft, glauben Sie, sie werden sich damit befassen, uns durchzufüttern, da sie nicht wissen, an welchem Hafen sie uns absetzen könnten?«

Kaum hatte der Kapitän diese Worte beendet, als der General ein entsetzliches Geschrei und den dumpfen Fall mehrerer Körper hörte, die man ins Meer warf. Er wandte sich um und sah die vier Handelsleute nicht mehr. Acht Kanoniere mit wilden Gesichtern standen noch mit in die Luft gereckten Armen da, als der Soldat mit Entsetzen zu ihnen hinsah.

»Habe ich's Ihnen nicht gesagt?« meinte der spanische Kapitän trocken.

Der Marquis erhob sich rasch. Das Meer war schon wieder ruhig geworden. Er sah nicht einmal mehr die Stelle, wo seine unglücklichen Gefährten verschwunden waren. Mit zusammengebundenen Händen und Füßen

lagen sie wohl schon am Grunde der See, wenn nicht Haifische sie zerrissen hatten.