»Wenn nicht mein Mann gewesen wäre,« unterbrach sie ihn. »Ich errate es.«
»Ach!« rief der General, »warum muß ich dich wiederfinden, Helene, dich, die ich so sehr beweint habe! Ich werde also alle Zeit dein Schicksal zu beklagen haben!«
»Warum?« fragte sie lächelnd. »Werden Sie nicht zufrieden sein, wenn Sie erfahren, daß ich die glücklichste aller Frauen bin?«
»Glücklich!« rief er und sprang erstaunt auf.
»Ja, mein guter Vater,« fuhr sie fort, ergriff seine Hände, drückte sie auf ihren wogenden Busen und sah ihn mit vor Freude funkelnden Augen an.
»Und inwiefern glücklich?« fragte er, neugierig, das Leben seiner Tochter kennen zu lernen. Vor diesem strahlenden Angesicht vergaß er alles andere.
»Hören Sie, mein Vater,« antwortete sie, »ich habe zum Geliebten, zum Gatten, zum Diener, zum Herrn einen Mann, dessen Seele ebenso groß ist wie dieses grenzenlose Meer, ebenso unerschöpflich an Milde, wie der Himmel. Kurz, er ist ein Gott! Seit sieben Jahren ist ihm niemals ein Wort, ein Gefühl, eine Gebärde entschlüpft, die einen Mißklang in die göttliche Harmonie seiner Rede, seiner Liebkosungen und seiner Liebe hätten bringen können. Er hat mich immer nur mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen und mit freudestrahlenden Augen angesehen. Dort oben übertönt seine donnernde Stimme oft das Heulen des Sturms oder den Kampfeslärm. Aber hier ist sie sanft und klangvoll wie die Musik Rossinis, dessen Werke mir vor kurzem geschenkt worden sind. Alles, was die Laune einer Frau sich nur ersinnen kann, bekomme ich. Ja, meine Wünsche werden oft noch überboten. Kurz, ich gebiete über das Meer, und man gehorcht mir dort wie einer Herrscherin. – O, glücklich!« fuhr sie fort, sich selbst unterbrechend, »glücklich ist nicht der richtige Ausdruck für mein Glück. Mein Glück ist anders als das aller Frauen. Eine Liebe zu fühlen, eine grenzenlose Hingebung zu dem, den man liebt, und in seinem Herzen eine ebenso grenzenlose Liebe zu finden, eine immer sich gleiche Liebe, in der die Seele der Frau sich baden kann – sagen Sie, ist das nicht Glück? Hier bin ich Gebieterin. Noch nie hat ein Geschöpf meines Geschlechts
den Fuß auf dieses edle Schiff gesetzt, wo Victor nur ein paar Schritte von mir entfernt ist. – Er kann sich von mir immer nur so weit entfernen wie bis zum Heck oder zum Bug,« fuhr sie mit einer feinen Schelmerei fort, »und sieben Jahre! eine Liebe, die sieben Jahre lang so innig bleibt, die sieben Jahre lang fast alle Augenblicke eine Probe zu bestehen hatte – ist das nicht Liebe? Ja, es ist weit, weit mehr noch als Liebe! Es ist das Herrlichste, das ich mein Leben lang kennen gelernt habe! Die menschliche Stimme hat keine Ausdrücke für ein himmlisches Glück.«
Ein Tränenstrom entrann ihren brennenden Augen. Die vier Kinder stießen ein klägliches Geschrei aus und liefen herbei, wie Küchlein die Mutter umringend. Der älteste Knabe schlug nach dem General und warf ihm drohende Blicke zu.
»Abel,« sagte sie, »mein Engel, ich weine ja doch vor Freude.«