Sie nahm ihn auf die Knie; das Kind liebkoste sie zutraulich, indem es die Arme um den majestätischen Hals Helenens schlang, wie ein kleiner Löwe, der mit seiner Mutter spielen will.
»Und du hast keine Langeweile?« rief der General, betäubt von der überschwenglichen Antwort seiner Tochter.
»Doch,« antwortete sie. »Wenn wir mal an Land gehen; denn auch dann verlasse ich meinen Mann nie.«
»Aber du liebtest doch Festlichkeiten, Bälle, Musik?«
»Musik – das ist seine Stimme; meine Festlichkeiten – das sind die Stunden, zu denen ich mich für ihn schmücke. Wenn ich ihm in meinem Putz gefalle, ist's dann nicht, als ob die ganze Erde mich bewunderte? Und deshalb allein werfe ich diese Diamanten, diese Halsbänder,
diese Diademe von Edelsteinen, diese Reichtümer, diese Blumen, diese Meisterwerke der Künste nicht ins Meer. Er bringt sie mir in Fülle und sagt dann immer: >Helene, da du nicht in die Welt gehst, soll die Welt zu dir kommen.‹«
»Aber auf diesem Schiffe gibt es Menschen – entsetzliche, tollkühne Menschen, die in ihrer wilden Leidenschaft …«
»Ich verstehe Sie, mein Vater,« sagte sie lächelnd. »Doch beruhigen Sie sich. Selbst eine Kaiserin ist noch nie so ehrerbietig behandelt worden wie ich. Diese Leute sind abergläubisch; sie glauben, ich sei der Schutzgeist dieses Fahrzeugs, ihrer Unternehmungen und Erfolge. Und dann ist er ein Gott für sie. Eines Tages – ein einziges Mal – ließ ein Matrose es an Achtung gegen mich fehlen … nur in Worten,« setzte sie lachend hinzu. »Ehe Victor es erfahren konnte, warfen die Leute den Mann ins Meer, obwohl ich ihm Verzeihung gewährte. Sie lieben mich wie ihren guten Engel, ich pflege sie, wenn sie krank sind, und habe schon das Glück gehabt, durch die Ausdauer weiblicher Sorge ein paar von ihnen vom Tode zu erretten. Diese armen Menschen sind zugleich Riesen und Kinder.«
»Und wenn Kämpfe stattfinden?«
»Daran bin ich gewöhnt,« antwortete sie. »Nur das erstemal habe ich gezittert. Jetzt ist meine Seele gegen diese Gefahr gefeit, und dann – ich bin doch Ihre Tochter,« setzte sie hinzu, »ich liebe sogar den Kampf.«