Tapferkeit hinreißen. Überdies, dachte er sich, wäre es auch lächerlich gewesen, sich zugeknöpft zu verhalten; er drückte somit dem Korsaren kraftvoll die Hand, küßte seine Helene, seine einzige Tochter, mit der den Soldaten eigenen Herzhaftigkeit und ließ eine Träne auf das Gesicht fallen, dessen stolzer, fast mannhafter Ausdruck ihm mehr als einmal zugelächelt hatte.

Der Seemann hielt ihm gerührt seine Kinder hin, daß er sie segne. Endlich sagten sie sich alle mit einem letzten, langen Blick voll Zärtlichkeit Lebewohl.

»Seid allzeit glücklich!« rief der General und eilte aufs Verdeck.

Auf der See bot sich dem General ein seltsames Schauspiel. Der in Brand gesteckte »Sankt Ferdinand« loderte wie ein riesiges Strohfeuer. Die Matrosen, die damit beauftragt worden waren, die spanische Brigg zu versenken, hatten an Bord eine Ladung von Rum entdeckt, davon man auf dem »Othello« reichlichen Vorrat führte, und sie fanden es nun spaßhaft, mitten auf dem Meer eine große Punschbowle anzuzünden.

Für Leute, die die anscheinende Eintönigkeit des Ozeans alle Gelegenheiten ergreifen ließ, um eine Abwechslung in ihr Leben zu bringen, war das eine verzeihliche Zerstreuung. Als der General von der Brigg in die Schaluppe des »Sankt Ferdinand« stieg, die mit sechs kräftigen Matrosen bemannt wurde, war seine Aufmerksamkeit unwillkürlich zwischen dem Brande des spanischen Schiffs und seiner Tochter geteilt, die an der Seite des Korsaren stand. Beide waren auf das Heck ihres Fahrzeugs getreten.

Bestürmt von einem Heere von Erinnerungen, sah er nun das weiße Kleid Helenens leicht wie ein Schleier

im Winde wehen, sah gegen den Hintergrund von Meer und Himmel diese schöne, hehre Gestalt, die ihre ganze Umgebung, ja die weite Flut selbst zu beherrschen schien – und da vergaß er mit der Sorglosigkeit eines alten Soldaten, der über Berge von Leichen geritten war, daß er auf dem Grabe des wackeren Gomez schwamm.

Über ihm erhob sich eine ungeheure Rauchsäule, wie eine braune Wolke, und die Sonne durchdrang sie hier und dort und erleuchtete sie in poetischem Schimmer. Es war ein zweiter Himmel, ein finsterer Dom, unter dem es zuckte und glühte und über den sich der unabänderliche Azur des Firmaments wölbte, das durch diese flüchtige Gegenüberstellung nur noch tausendmal schöner erschien.

Die bizarren Farben dieses Rauchs, abwechselnd gelb, goldig, rot, schwarz, dunstig durcheinander gemischt, überzogen das Schiff; es knisterte, krachte und kreischte. Die Flamme zischte, das Tauwerk zerfressend, und lief in dem Fahrzeug herum, wie ein Volksaufstand durch die Straßen einer Stadt läuft.

Der Rum erzeugte blaue Flammen, die auf und nieder tanzten, als wenn der Genius des Meers diesen rasenden Likör angesteckt hätte, gerade wie die Hand eines Studenten bei einer Zecherei das lustige Feuerwerk eines Punsches spielen läßt. Allein die Sonne mit ihrer noch gewaltigen Leuchtkraft, eifersüchtig auf diesen dreist auflodernden Schein, ließ in ihren hellen Strahlen kaum das Farbenspiel dieses Brandes erkennen.