Die Komtesse zitterte, dann hob sie sanft den Kopf und sagte:
»Seit einem Jahr habe ich mehr als einmal bedauert, daß meine Mutter nicht mehr am Leben ist; aber es war unrecht von mir, daß ich auf die Warnungen meines Vaters nicht gehört habe. Er wollte Victor nicht zum Schwiegersohne.«
Sie sah ihre Tante an, und ein Schauer der Freude trocknete ihre Tränen, als sie den Ausdruck von Güte bemerkte, der dieses alte Gesicht belebte. Sie streckte ihre junge Hand der Marquise hin, die sich ihrer so liebreich anzunehmen schien, und als ihre Finger sich drückten, da war das Einverständnis zwischen diesen beiden Frauen vollständig.
»Arme Waise!« setzte die Tante hinzu.
Dieses Wort berührte Julie, als wenn ein letzter Lichtstrahl auf sie fiele. Sie glaubte noch einmal die prophetische Stimme ihres Vaters zu vernehmen.
»Ihre Hände sind fieberheiß! Ist das immer der Fall?« fragte die Alte.
»Seit sechs oder acht Tagen hat das Fieber mich nicht mehr verlassen,« antwortete sie.
»Und Sie haben mir das verheimlicht?«
»Ich hab's ja schon ein Jahr lang,« sagte Julie mit einer Art schamhafter Angst.
»Also, mein kleiner, guter Engel,« fuhr die Tante