fort, »ist die Ehe für Sie bisher nur ein fortgesetzter Schmerz gewesen?«

Die junge Frau wagte nicht zu antworten, aber sie machte eine bejahende Gebärde, die all ihr Leid verriet.

»Sie sind also unglücklich?«

»O, nein, meine Tante. Victor liebt mich bis zur Vergötterung, und auch ich bete ihn an, er ist so gut.«

»Ja, lieb haben Sie ihn, aber Sie fliehen ihn dennoch, nicht wahr?«

»Ja – bisweilen – er sucht mich zu oft –«

»Wenn Sie allein sind, beunruhigt Sie dann nicht oft die Furcht, er könne kommen und Sie überraschen?«

»Ach, gewiß, meine Tante. Aber ich habe ihn sehr lieb, das versichere ich Ihnen.«

»Klagen Sie sich nicht insgeheim an, Sie verständen nicht, an dem, was ihn erfreut, Freude zu finden, oder Sie seien dessen nicht fähig? Denken Sie manchmal nicht, die legitime Liebe sei härter zu ertragen, als vielleicht eine strafbare Leidenschaft?«

»O, das ist's,« sagte sie weinend. »Sie erraten alles – wo doch für mich alles ein Rätsel ist. Meine Sinne sind betäubt, ich kann nicht denken, ja ich lebe kaum noch. Meine Seele ist von einer unbestimmten Furcht bedrückt, die meine Gefühle zu Eis wandelt und mich in beständige Lethargie versenkt. Ich bin ohne Stimme, mich zu beklagen, und ohne Worte, meinen Schmerz auszudrücken. Ich leide, und schäme mich doch zu leiden, wenn ich Victor so glücklich sehe in dem, was mich tötet.«