Kenntnis alles dessen, was dieser Frau wohltat: Gefühle, die ihm angeboren zu sein schienen, ebenso und noch in höherem Maße vielleicht als die zu seinem Dasein an sich notwendigen Triebe.
Die Kranke und ihr Arzt gingen im gleichen Schritt und wunderten sich nicht über ein Ebenmaß des Ganges, das vom ersten Tage an, wo sie nebeneinander hergegangen waren, zu bestehen schien. Sie gehorchten ein und demselben Willen, blieben unter dem Eindruck ein und desselben Gefühls stehen; ihre Blicke, ihre Worte entsprachen wechselseitigen Gedanken.
Als sie beide auf der Höhe eines Weinbergs angelangt waren, wollten sie sich auf einen der langen Steinblöcke setzen, die aus den in den Felsen gehauenen Kellern herausgenommen werden; aber Julie betrachtete die Gegend, ehe sie sich setzte.
»Die schöne Landschaft!« rief sie. »Hier laßt uns Hütten bauen. Ja, wir wollen ein Zelt aufschlagen und hier leben. Victor,« rief sie, »so kommen Sie doch schnell!«
Herr d'Aiglemont antwortete von unten mit einem Jägerruf, doch ohne seine Schritte zu beschleunigen. Er betrachtete nur von Zeit zu Zeit seine Frau, wenn die Windungen des Weges es ihm erlaubten. Julie atmete mit Wonne die Luft ein, hob den Kopf und warf aus Arthur einen der feinen Blicke, in denen eine Frau von Geist all ihr Denken offenbart.
»O,« fuhr sie fort, »hier möchte ich immer bleiben! Kann man jemals müde werden, dieses schöne Tal zu bewundern? Kennen Sie den Namen dieses reizenden Flusses, Mylord?«
»Es ist die Cise.«
»Die Cise,« wiederholte sie. »Und dort unten vor uns – was ist das?«
»Das sind die Weinberge von Cher,« sagte er.
»Und rechts? Ach ja, das ist Tours. Aber sehen Sie nur, wie herrlich sich in der Ferne die Türme dieser Kathedrale ausnehmen!«