»Ich sollte jung und unglücklich sterben,« fuhr Julie fort. »Ja, glauben Sie nicht, daß ich am Leben bleibe. Der Kummer wird ebenso tödlich sein, wie die schreckliche Krankheit es hätte werden können, von der Sie mich geheilt haben. Ich halte mich nicht für sündig. Nein, die Gefühle, die ich für Sie gehegt habe, sind unwiderstehlich, ewig – aber sie regen sich gegen meinen Willen, und ich will tugendhaft bleiben. Ich werde zu gleicher Zeit meinem Gewissen als Gattin, meinen Pflichten als Mutter und der Stimme meines Herzens treu bleiben. Hören Sie mich an,« setzte sie mit veränderter Stimme hinzu, »diesem Manne dort werde ich nie mehr angehören.«

Und mit einer Gebärde, die in ihrem Abscheu und ihrer Aufrichtigkeit erschreckend war, wies Julie auf ihren Mann.

»Die Gesetze der Welt,« fuhr sie fort, »verlangen von mir, daß ich ihm das Leben glücklich mache – ich werde dem gehorchen. Ich werde seine Dienerin sein; meine Ergebenheit gegen ihn wird ohne Grenzen sein, aber von heute ab bin ich Witwe. Ich will weder vor mir selbst

noch vor der Welt eine Prostituierte sein. Wenn ich Herrn d'Aiglemont nicht mehr gehöre, so auch niemals einem andern. Sie werden von mir nichts weiter besitzen, als was Sie mir entrissen haben. Dies ist das Urteil, das ich über mich selbst ausgesprochen habe,« sagte sie, Arthur mit Stolz anblickend. »Es ist unwiderruflich, Mylord. Erfahren Sie noch, wenn Sie einem verbrecherischen Gedanken nachgäben, so würde die Witwe des Herrn d'Aiglemont in ein Kloster gehen, in Italien oder in Spanien. Das Unglück hat gewollt, wir sollten von unserer Liebe sprechen. Diese Geständnisse waren vielleicht unvermeidlich; aber es soll das letztemal sein, daß unsere Herzen so heftig erschüttert wurden. Morgen werden Sie vorgeben, einen Brief erhalten zu haben, der Sie nach England ruft, und wir werden scheiden, um einander nie wiederzusehen.«

Erschöpft von dieser Anstrengung, fühlte Julie, daß ihre Knie brachen – eine tödliche Kälte ergriff sie. Doch sie hatte den echt weiblichen Einfall, sich rasch hinzusetzen, um nicht in Arthurs Arme zu fallen.

»Julie!« rief Lord Grenville.

Dieser durchdringende Schrei hallte wider wie ein Donnerschlag. Dieser herzzerreißende Aufschrei drückte alles aus, was der bisher stumme Liebende nicht hatte sagen können.

»Nun, was hat sie denn?« fragte der General.

Als der Marquis den Schrei hörte, war er schnell herzugeschritten und stand jetzt plötzlich vor dem Liebespaar.

»Es wird nichts weiter sein,« sagte Julie mit der bewundernswerten Kaltblütigkeit, die die Frauen dank ihrer natürlichen Schlauheit bei den großen Krisen des Lebens oft an den Tag legen. »Die Kühle unter diesem