Nußbaum hat mir fast eine Ohnmacht verursacht, und mein Doktor ist wohl heftig darüber erschrocken. Bin ich für ihn nicht sozusagen ein Kunstwerk, das noch nicht ganz fertig ist? Er hat vielleicht Angst gehabt, es zerstört zu sehen.«

Sie nahm keck Lord Grenvilles Arm, lächelte ihrem Manne zu, blickte noch einmal über die Landschaft hin, ehe sie den Gipfel der Felsen verließ und zog ihren Reisegefährten an der Hand mit sich fort.

»Dies ist sicherlich die schönste Gegend, die wir gesehen haben,« sagte sie. »Ich werde sie nie vergessen. Sehen Sie nur, Victor, welche Fernen, welche weite Flächen und welche Mannigfaltigkeit! Angesichts dieses Landes begreife ich, was Liebe heißt!«

Sie stieß ein fast krampfhaftes Lachen aus, mit dem es ihr gelang, den Gatten zu täuschen, sprang lustig in den Hohlweg und verschwand.

»Ah bah, wenn schon!« sagte sie, als sie weit von Herrn d'Aiglemont entfernt war. »Ah bah! Mein Freund, in einem Augenblick werden wir nicht mehr sein können – werden wir niemals wieder wir selbst sein können – kurz, werden wir nicht mehr leben können.«

»Lassen Sie uns langsam gehn,« antwortete Lord Grenville, »die Wagen sind noch fern. Wir werden zusammen gehen, und wenn es uns erlaubt ist, Worte in unsere Blicke zu legen, so werden unsere Herzen noch einen Augenblick länger leben.«

Sie schritten in den letzten Sonnenstrahlen auf dem Damme am Rande des Wassers dahin, fast in völligem Schweigen, undeutliche Worte sprechend, die sanft und leise waren, wie das Murmeln der Loire, und doch die Seele erschütterten. Die Sonne umhüllte sie im Augenblick

ihres Niedergangs mit rotem Schein – dann verschwand sie wie ein melancholisches Abbild ihrer unglücklichen Liebe. Der General war unruhig, als er seinen Wagen nicht an der Stelle fand, wo er Halt gemacht hatte, und lief bald vor dem Liebespaar her, bald folgte er hinterdrein. An der Unterhaltung beteiligte er sich nicht.

Das edle, taktvolle Verhalten, das Lord Grenville während der ganzen Reise bewahrte, hatte den Verdacht des Marquis zerstört, und seit einiger Zeit ließ er seiner Frau völlige Freiheit, im Vertrauen auf die punische Treue des Lorddoktors.

Arthur und Julie schritten noch immer in der traurigen, schmerzlichen Harmonie ihrer gebrochenen Herzen dahin. Als sie vorhin die Abhänge von Montcontour hinangestiegen waren, hatten alle beide eine unklare Hoffnung, ein unruhiges Glück gefühlt, von dem sie sich nicht Rechenschaft zu geben wagten; aber als sie nun den Damm entlang zu Tal stiegen, hatten sie das gebrechliche Gebäude umgestürzt, das sie in ihrer Phantasie aufgebaut und vor dem sie kaum zu atmen gewagt hatten, wie Kinder, die den Einsturz ihrer Kartenhäuser voraussehen. Sie waren jetzt ohne Hoffnung.