»Dieser Brief ist wie ein Flammenherd! Mein Herz! ich ersticke!«
Sie erhob sich und schritt auf und ab. Ihre Augen brannten.
»So hat er Paris nicht verlassen,« rief sie.
Sie stieß die abgerissenen Worte, die Frau de Wimphen nicht zu unterbrechen wagte, in schrecklichen Pausen hervor. Nach jedem Stillstand erklangen die Worte in immer tieferem Ton, und die letzten Sätze hatten etwas Furchtbares.
»Er hat mich inzwischen immer wieder gesehen, ohne daß ich es gewußt habe. Jeden Tag hat er einen Blick von mir aufgefangen, und das hat ihn am Leben erhalten.
Du weißt nicht, Luise – er stirbt und bittet darum, mir Lebewohl zu sagen. Er weiß, daß mein Mann heute abend auf mehrere Tage verreist, und er will im Augenblick kommen. O, daran werde ich sterben. Ich bin verloren. Höre, bleibe du bei mir. Vor zwei Frauen wird er es nicht wagen. O, bleib! Ich fürchte mich.«
»Aber, mein Mann weiß, daß ich bei dir zu Tisch bin,« antwortete Frau de Wimphen. »Er wird mich holen kommen.«
»Gut, ehe du gehst, habe ich ihn weggeschickt. Ich werde uns allen beiden den Tod geben. Ach, er wird glauben, ich liebte ihn nicht mehr. Und dieser Brief! Meine Liebe, er enthielt Sätze, die ich noch in Flammenschrift vor mir sehe!«
Ein Wagen rollte vor das Portal.
»Ach!« rief die Marquise mit einer gewissen Freude, »er kommt öffentlich und ohne ein Geheimnis daraus zu machen.«