»Habe ich dir das nicht gesagt? – ich habe es gelernt.«

»Arme Kleine,« rief Luise, Juliens Hand ergreifend. »Aber wie kannst du da noch leben?«

»Das ist ein Geheimnis,« antwortete die Marquise und machte unwillkürlich eine Gebärde von fast kindlicher Naivität. »Höre. Ich nehme Opium. Die Geschichte der Herzogin von … aus London hat mich auf die Idee gebracht. Weißt du, Mathurin hat einen Roman darüber

geschrieben. Ich nehme nur ganz schwache Tropfen Laudanum. Es gibt mir Schlaf. Nicht mehr als sieben Stunden bin ich noch wach, und die widme ich nur meiner Tochter.«

Luise sah ins Feuer. Sie wagte nicht, ihre Freundin anzusehen, deren ganzes Elend sich jetzt zum erstenmal ihren Blicken enthüllte.

»Luise, verrate mich aber nicht,« sagte Julie nach einem Augenblick des Schweigens.

Plötzlich brachte ein Diener der Marquise einen Brief.

»Ha!« rief sie erbleichend.

»Ich frage nicht erst, von wem,« sagte Frau de Wimphen.

Die Marquise las und hörte nichts mehr. Ihre Freundin sah die stürmischsten Gefühle, die gefährlichste Aufregung in den Zügen der Frau d'Aiglemont sich abspielen. Julie wurde bald blaß, bald rot und warf schließlich das Papier ins Feuer.