Die ganze Geschichte Juliens lag in diesem tiefen Aufschrei – dem Schrei der Natur und der Liebe, der Frauen ohne Religion erliegen. Arthur ergriff sie und

trug sie mit der stürmischen Inbrunst, die ein unverhofftes Glück entfacht, zum Diwan. Aber plötzlich riß sich die Marquise aus den Armen des Geliebten, warf ihm den starren Blick einer verzweifelten Frau zu, nahm ihn bei der Hand, ergriff einen Leuchter und zog ihn mit sich in das Schlafzimmer.

Leise zog sie von dem Bett, wo Helene schlief, die Vorhänge weg, so daß man ihr Kind sah – sie hielt eine Hand vor die Kerze, damit nicht das Licht den durchscheinenden, kaum geschlossenen Lidern des kleinen Mädchens wehe täte. Helene lag mit ausgebreiteten Armen da und lächelte im Schlafe. Mit einem Blick zeigte Julie Lord Grenville ihr Kind. Dieser Blick sagte alles.

»Einem Manne können wir selbst untreu werden, auch wenn er uns lieb hat. Ein Mann ist ein starkes Geschöpf und findet Trost. Die Gesetze der Welt können wir verachten. Aber ein Kind ohne Mutter –!«

Alle diese Gedanken und tausend noch weit zärtlichere lagen in diesem Blick.

»Wir können sie mit uns nehmen,« murmelte der Engländer. »Ich werde sie sehr lieb haben.«

»Mama!« rief Helene, erwachend.

Bei diesem Worte zerfloß Julie in Tränen. Lord Grenville setzte sich, kreuzte die Arme und sah stumm und finster vor sich hin.

»Mama!« Dieser frohe, naive Ruf erweckte so viele edeln, unwiderstehlichen Gefühle, daß die Liebe auf einen Augenblick unter der mächtigen Stimme der Mutterschaft erdrückt wurde. Julie war nicht mehr Weib, sie war Mutter. Lord Grenville widerstand nicht mehr – Juliens Tränen warfen ihn nieder.

In diesem Augenblick hörte man, wie eine Tür ungestüm