»Was ist euch denn passiert?« fragte die Frau ihren Mann.
»Ich werde es Ihnen später sagen,« antwortete der General und schritt in ein anstoßendes Zimmer, dessen Tür offen stand, und wo er Zeitungen liegen sah.
Die Marquise warf sich verzweifelt auf ein Kanapee.
Der Notar glaubte gegen die Kinder den freundlichen Herrn spielen zu müssen und schlug einen gezierten Ton an, indem er den Kleinen fragte:
»Nun, mein Kleiner, was wurde denn im Theater gespielt?«
»Das Tal des Gießbachs,« antwortete Gustav mürrisch.
»Nun, ich bitte Sie,« rief der Notar, »unsere Schriftsteller sind halb verrückt! Das Tal des Gießbachs! Warum nicht der Gießbach des Tals? Es ist möglich, daß ein Tal keinen Gießbach hat, und wenn der Verfasser gesagt hätte: Der Gießbach des Tals, so hätte er eine klare, charakteristische, verständliche Form gewählt. Doch lassen wir das. Wie kann sich denn aber in einem Gießbach und in einem Tal ein Drama abspielen? Nun, allerdings! heutzutage liegt das hauptsächliche Lockmittel dieser Art von Schauspielen in den Dekorationen, und dieser
Titel deutet eine imposante Ausstattung an. Du hast dich da wohl trefflich amüsiert, mein kleiner Freund?« setzte der Notar hinzu, indem er sich vor das Kind setzte.
Als der Notar gefragt hatte, was für ein Drama sich wohl auf dem Grunde eines Gießbachs abspielen könne, drehte die Tochter der Marquise sich langsam um und weinte. Die Mutter war so ärgerlich gestimmt, daß sie die Bewegung ihrer Tochter nicht bemerkte.
»O ja, Herr, ich habe mich gut amüsiert,« antwortete das Kind. »In dem Stück kam ein kleiner Junge vor, der war sehr hübsch und war ganz allein auf der Welt, weil sein Papa nicht sein Vater sein durfte. Und da kam er an eine große Brücke, die hoch über den Gießbach hinführt, und da kam ein großer Vagabund mit einem Bart und ganz schwarz angezogen, und der hat ihn ins Wasser geworfen. Da hat Helene angefangen zu weinen und laut zu schluchzen, und alle Leute haben sich über uns aufgehalten, und da hat der Vater uns ganz schnell, ganz schnell hinausgeführt.«