Eigentümlicherweise lagen die Fassade und die Eingangstür des Hauses unmittelbar nach dem Wege zu, der ehemals vielleicht wenig begangen gewesen war. Diese Vermutung erscheint wahrscheinlich, wenn man bedenkt, daß er an den köstlichen Pavillon grenzte, den Ludwig XV. für Fräulein de Romans erbauen ließ. Ehe man dorthin kommt, trifft man denn auch hie und da mehrere Kasinos, deren Inneres und Ausschmückung auf die geistvollen Ausschweifungen unserer Vorfahren hindeuten,
die doch immerhin den Schatten und die Verborgenheit aufsuchten, um sich der Zügellosigkeit hinzugeben, deren man sie beschuldigt.
An einem Winterabend befanden sich der Marquis, seine Frau und seine Kinder allein in diesem verlassenen Hause. Ihre Leute hatten die Erlaubnis erhalten, in Versailles die Hochzeit eines unter ihnen zu feiern; und in der Annahme, die Weihnachtsfeier, die sich an die Hochzeit anschloß, wäre eine triftige Entschuldigung, die die Herrschaft wohl gelten lassen würde, trugen sie kein Bedenken, die Festlichkeit länger auszudehnen, als die Hausordnung ihnen eigentlich erlaubte.
Da jedoch der General als ein Mann bekannt war, der bisher noch immer mit unbeugsamer Rechtschaffenheit sein Wort gehalten hatte, so tanzten die ungehorsamen Diener nur noch mit Beklommenheit, als die ihnen zugebilligte Frist abgelaufen war. Es hatte elf Uhr geschlagen, und noch war niemand von den Leuten zurückgekehrt. Das Schweigen, das rings auf dem Lande herrschte, war so tief, daß man von Zeit zu Zeit den Wind durch die schwarzen Zweige der Bäume pfeifen hörte – dann wieder heulte er ums Haus oder verfing sich in den langen Korridoren.
Der Frost hatte die Luft so rein gemacht, den Boden und das Pflaster so gehärtet, daß von allem jene trockenen, hellen Töne hallten, deren Klarheit uns stets verwundert. Der dumpfe Schritt eines verspäteten Zechers oder der Lärm einer nach Paris zurückkehrenden Droschke hallten lauter und blieben auf größere Entfernung hörbar als sonst. Die toten Blätter, die plötzliche Wirbelwinde zum Tanze trieben, raschelten über die Steine des Hofes
hin, so daß sie der Nacht eine Stimme verliehen, als sie stumm werden wollte.
Kurz, es war einer jener scharfen Abende, die unserer Ichsucht ein unfruchtbares Mitleid mit den Armen oder dem Reisenden abnötigen und uns den Kamin zu dem wollüstigsten Eckchen machen.
In diesem Augenblick bekümmerte sich die im Salon beisammensitzende Familie weder um die Abwesenheit der Diener, noch um die Leute ohne Herd, noch um die Poesie einer funkelnden Winternacht. Ohne zwecklos zu philosophieren, vertrauten Frau und Kinder dem Schutze eines alten Soldaten und gaben sich ganz den Freuden hin, die das häusliche Leben mit sich bringt, wenn man sich in seinen Gefühlen keinen Zwang anzutun braucht, wenn Liebe und Offenherzigkeit Worte, Blicke und Spiele beleben.
Der General saß, oder besser gesagt, versank in einem hohen, geräumigen Lehnstuhl, der in der Kaminecke stand. Im Ofen leuchtete ein wohlgenährtes Feuer und strömte die starke Wärme aus, die stets ein sicheres Zeichen ist, daß draußen außerordentliche Kälte herrscht. An die Rückenlehne des Stuhls gelegt und ein wenig zur Seite geneigt, ruhte der Kopf dieses braven Vaters in einer Haltung, deren Nachlässigkeit eine vollkommene Ruhe, ein süßes Behagen ausdrückte. Seine wie im Halbschlaf lose über die Seiten herabhängenden Arme vollendeten das Bild gelassener Glückseligkeit.
Er betrachtete das kleinste seiner Kinder, einen kaum fünf Jahre alten Jungen, der, halb nackend, sich durchaus nicht von der Mutter ausziehen lassen wollte. Der kleine Kerl riß aus vor dem Nachthemd und dem Nachthäubchen, das die Mutter ihm manchmal hinhielt. Er behielt seinen