"Sie hören aber heute abend auch gar nichts, Herr Baron!…" antwortete
Frau von Vaudremont sehr gereizt.
"Sehen Sie den jungen Mann dort, der einen sehr schönen Diamanten am
Finger trägt," sagte in diesem Augenblicke die Unbekannte zu dem
Obersten, der sich eben entfernen wollte. "Es ist ein prachtvoller
Diamant," antwortete dieser. "Der junge Mann ist der Baron Martial de
la Roche-Hugon, einer meiner vertrautesten Freunde."
"Ich danke Ihnen, daß Sie mir diesen Namen genannt haben," versetzte die Unbekannte. "Er scheint mir sehr liebenswürdig!…" fuhr sie fort.
"Ja, allein er ist ein wenig leichtsinnig."
"Man könnte glauben, daß er mit der Gräfin von Vaudremont sehr vertraut sei!…" versetzte die junge Dame und sah den Obersten fragend an.
"Er wird sich mit ihr verheiraten." Die Unbekannte erbleichte. "Zum
Teufel!" dachte der Krieger, "sie liebt diesen verdammten Martial!"
"Ich glaubte, Frau von Vaudremont stehe seit längerer Zeit in einem Verhältnis mit Herrn von Soulanges?…" versetzte die junge Dame, indem sie sich von einem inneren Leiden erholte, das für einen Augenblick den übernatürlichen Glanz ihres Antlitzes aufgehoben hatte.
"Seit acht Tagen täuscht ihn die Gräfin," antwortete der Oberst. "Sie müssen aber den armen Soulanges gesehen haben, als er eintrat…. Er versucht noch, den Glauben an sein Unglück von sich fernzuhalten…."
"Ich habe ihn gesehen," sagte die Dame in einem vielsagenden Tone. Dann fuhr sie fort: "Mein Herr, ich danke Ihnen für Ihre Mitteilung!" Die Betonung dieser Worte galt einer Verabschiedung gleich.—In diesem Augenblick ging der Contretanz seinem Ende entgegen, und der aus dem Felde geschlagene Oberst hatte kaum noch Zeit, sich aus den Festungslinien der Damen zurückzuziehen, indem er sich gewissermaßen zum Trost sagte: "Sie ist verheiratet!…"
"Nun, mutiger Kürassier!" sagte der Baron, indem er den Obersten mit sich in eine Fensternische zog, um die reine Luft des Gartens einzuatmen. "Wie weit sind Sie gekommen?"