"Sie ist verheiratet, mein Lieber."
"Was schadet das?"
"Ha, der Teufel, ich halte auf die guten Sitten!…" antwortete der Oberst. "Ich will mich nur noch an solche Damen wenden, die ich heiraten kann…. Überdies, Martial, hat sie mir deutlich erklärt, daß sie nicht tanzen wolle."
"Oberst, verwetten Sie Ihren Apfelschimmel gegen hundert Napoleons, daß sie heute abend noch mit mir tanzt?"
"Abgemacht …" sagte der Oberst und reichte dem Gecken die Hand. "Unterdes werde ich zu Soulanges gehen, der vielleicht diese Dame kennt…. Es schien mir, als wäre sie hinsichtlich mancher Dinge unter richtet."
"Mein Tapferer, Sie haben verloren!" sagte Martial lachend; "meine Augen sind eben mit den ihrigen zusammengetroffen und—ich verstehe mich darauf…. Aber, Oberst, Sie werden doch nicht böse werden, wenn sie mit mir tanzt, nachdem Sie einen Korb empfangen haben?"
"Nein, nein; der lacht am besten, der am längsten lacht!… Übrigens,
Martial, bin ich ein guter Spieler und ein guter Feind, weshalb ich
Dich darauf aufmerksam mache, daß sie Diamanten liebt."
Nach diesem Gespräch trennten sich die beiden Freunde abermals. Der Oberst begab sich zum Spielsalon und bemerkte den Grafen von Soulanges an einem Bouillottetische.
Obgleich zwischen den beiden Obersten nur jene Freundschaft des äußerlichen Umgangs bestand, wie sie durch die Gefahren des Krieges und die Pflichten eines gleichen Dienstes herbeigeführt wird, schmerzte es den Kürassier-Oberst dennoch, den Grafen von Soulanges, den er als einen klugen jungen Mann kannte, bei einem Spiel zu finden, das ihn zugrunde richten konnte. Die Haufen von Gold und Banknoten, die auf dem unglückseligen grünen Tisch lagen, bezeugten die Wut des Spiels. Ein Kreis schweigender Männer umstand die ernsten Spieler, die beim Bouillotte saßen. Einige Worte wurden hier und da laut, wenn man aber die unbeweglichen Spieler sah, so hätte man glauben sollen, daß sie nur mit den Augen sich unterhielten. Als der Oberst, der durch die bleifarbene Blässe des Herrn von Soulanges erschreckt wurde, sich diesem näherte, war der Graf eben gewinnender Teil. Der österreichische Gesandte und ein berühmter Bankier erhoben sich, nachdem sie bedeutende Summen verloren hatten. Der Graf von Soulanges wurde noch finsterer, als er es vorher gewesen war, während er eine ungeheuere Menge Gold und Banknoten einstrich. Er zählte seinen Gewinn nicht einmal. Ein bitterer Spott zeigte sich auf seinen Lippen. Er schien das Glück und das Leben zu bedrohen, anstatt ihnen zu danken, wie so viele andere getan haben würden.
"Mut," sagte der Oberst zu ihm; "Mut, Soulanges!" Dann glaubte er ihm einen wahren Dienst zu leisten, indem er ihn vom Spiel wegführte und sagte: "Kommen Sie, ich habe Ihnen eine angenehme Neuigkeit mitzuteilen, aber nur unter einer Bedingung."