"Iß!" sagte Laura zu Meyer, "wer weiß, wann man wieder was kriegt!"

Eine kleine Rivalität brach aus zwischen den Zirkusartisten und dem übrigen Teil des Ensembles, dem "Bruch", wie die Zirkusleute alle Kollegen nannten, die nicht von Kindesbeinen auf beim Metier waren.

Die Zirkusleute pochten auf ihre Familie, Herkunft, Tradition. Sie waren exklusiv und sahen den "Bruch" verächtlich an. Herr Leporello etwa den kleinen Bobby. Beide waren sie Kontorsionisten. Bobby arbeitete rückwärts, war also Schlangenmensch. Herr Leporello arbeitete vorwärts, war also Froschmensch. Herr Leporello hatte die komplizierteren Balancen, den drehbareren Unterleib. Bobby hatte den besseren Handstand, das biegsamere Rückgrat.

Aber Herr Leporello ästimierte ihn nicht. Herr Leporello war ausschließlich Artist. Bobby ging im Nebenberuf zeitweilig "auf Heizerfahrt".

Oder Miß Raffaëla den Engel. Sie verlangte von ihm, daß er Einkäufe für sie besorge. Sie glaubte, der Bühnenmeister sei hier auch Stiefelputzer. Aber Engel lehnte es ab, "Kommissionen" zu machen.

"Hab' keine Zeit! Hab' zu studieren! Bin selber Artist!" Und Flametti bestätigte das, indem er "Monteur" auf Engels Papier durchstrich und "Artist" drüberschrieb.

Zwei Parteien bildeten sich. Die Partei der Zirkusartisten mit Jenny.
Die "Bruch"—und Apachenpartei mit Flametti.

Flametti waren die Zirkusdamen zuwider. Sie hänselten ihn. Er fand
sie verdorben, aufdringlich, utriert. Sein Herz war bei der andern
Partei, den Gestrandeten, den Gelegenheitskönnern, den Kindern Gottes.
Auch Meyer und Fräulein Laura waren nur herverschlagen ins Varieté.
Und doch—alle Hochachtung!

äußerlich aber tat sich die Rivalität in folgendem kund: Die Zirkusleute brachten das Geld. Die Bruchleute hatten—den Ofen.

Die Zirkusleute lagen den ganzen Tag in Flamettis geheizter Stube herum oder im Wirtslokal, wo das Glasdach tropfte, die Ratten liefen, die Windeln rochen. Sie schürten und hetzten. Sie glaubten, wider Verdienst schlecht weggekommen zu sein.