Und Frau Häsli nebst Tochter waren verschwunden.
Nettchen bellte. Jenny färbte sich rosenrot im Gesicht vor verhaltenem ärger. Herr Häsli quittierte, und Flametti schob ihm das Geld hin.
"Mahlzeit, Max!" sagte Herr Häsli geknickt und bedauernd. "Nichts für ungut!" und reichte Flametti die Hand.
"Salü!" sagte Flametti offiziös und packte seine Sachen ein.
Auch Herr Meyer und Fräulein Laura gingen. Eigentlich hatten sie um Zulage bitten wollen. Die Gelegenheit schien ihnen aber nicht günstig.
II
"Siehst du die Anarchisten", sagte Jenny, als alle gegangen waren, "siehst du sie jetzt? Brauchst nur mal ein paar Tage kein Geschäft zu haben—gleich werden sie üppig. Nur in Verlegenheit braucht man zu kommen—schon laufen sie fort. Forellen müßt ich ihnen vorsetzen, das Kilo für acht Franken. Dann solltest du sehen! Diese Häsli—ach du mein Gottchen, wie sie hier ankam! Aus Gnade und Barmherzigkeit hat man sie aufgenommen. Das ist der Dank. Ausgehungert waren sie, daß Gott erbarm. Jetzt sind sie auf einmal vornehm.—Was machen wir nur, Max? Du wirst sehen, sie laufen uns fort!"
Aber Max hatte keine Lust zu Meditationen. "Ah was!" sagte er unwirsch und kramte verärgert in seiner Tischschublade.
Die Tür ging auf, und herein kam Fräulein Theres, lendenlahm und verdrießlich. Der Rheumatismus plagte sie heut ganz besonders. In der matt herunterhängenden Hand hielt sie einen angerauchten Stumpen und blies mit spitzem Munde den Rauch von sich. Unaufgefordert nahm sie Platz, knetete schmerzhaft ihren Gichtschenkel und drehte sich schnaufend auf dem Stuhl.
"Frau", sagte sie, "wird gebügelt?"