"Lassen Sie das Klavier in Ruh!" schrie er herunter und fuchtelte mit der Lanze. "Was fällt Ihnen eigentlich ein? Sind Sie hier Direktor oder ich?"

Herr Rotter jedoch wurde auffallend ruhig, nahm sachte sein Stöckchen von den Tasten, rückte die Mütze zurecht und sagte:

"Hören Sie mal! Wenn Sie glauben, Sie Botokude, mich für Ihre fünfzig Franken hier anschreien zu können, dann sind Sie im Irrtum."

"Und Sie", rief Flametti, stellte die Lanze hin und sprang, in vollem Häuptlingsschmuck, über die Bühne herunter, "machen Sie, daß Sie rauskommen. Raus! Ich habe genug von Ihnen."

Und da Herr Rotter als Antwort hierfür nur ein spöttisches Grinsen hatte, die Stirnhaut hochzog, die Ohren bewegte und den Blöden spielte, packte Flametti den Patron am ärmel und spedierte ihn höchst persönlich durch das Lokal zum Büfett, wo Herr Schnabel automatisch und ohne zu fragen sich seiner annahm und ihn im Hinblick auf seine moralische Zweideutigkeit vor die Türe setzte.

Nachdem der Dichter entfernt war, ging alles glatt. Von vorne, von vorne, und nochmal von vorne, bis daß es saß.

IV

Am siebzehnten fand die Premiere statt. Schon am frühen Morgen herrschte im Hause Flametti beträchtliche Aufregung.

Es war noch nicht sieben Uhr früh, als sich die Frauen aus dem
Favoritinnengemach schon stritten um das Vorrecht, für diesen
Ehrentag Flametti-Feuerscheins Stiefel putzen zu dürfen.

Fräulein Traute hatte sich im Lauf der letzten Tage das Reinigen der Häuptlingsstiefel zu ihrer ganz besonderen Domäne gemacht. Kaum regte sich in der Frühe das erste Gurren und Flattern der Turteltauben, so sprang sie schon aus dem Bett, hin zum Gemach der Hauptfrau, vor dessen Türe die Knöpfelschuhe der Frau und die Zugstiefel Flamettis in trunken übernächtiger Kameradschaft beisammenstanden, nahm die Häuptlingsstiefel weg, ließ die Hauptfraustiefel stehen und rannte in die Küche nach dem Putzzeug, um den beiden anderen Favoritinnen zuvorzukommen.