"Na, du weißt doch, Jenny", erklärte Engel, "Sie katzen sich doch immer. Und nun ist mir der Häsli schon früh um sieben, wie ich von der Annie kam, auf der Straße begegnet, ganz zerkratzt um die Schnörre herum, und hat mir gesagt, daß er nicht singen will wegen dem "trau mi net". Und er will nicht das Kalb machen."
"Gut!" sagte Flametti, "häng' die Plakate aus! Er wird schon singen.
Ich werde schon sorgen dafür, daß er singt!"
Und Jenny rief: "Max, geh' rüber zu ihnen! Setz' sie vor die Tür!
Hol' dir Ersatz! Hab' ich dir's nicht gesagt, daß sie uns aufsitzen
lassen? Hab' ich's nicht immer gesagt? Da hast du's! Aus der
Nachtruhe stören sie einen auf, die Anarchisten!"
Und Max sprang aus dem Bett, zog die Hosen an, schnackelte die Hosennaht zurecht und trat ins Eßzimmer, unwirsch. Der Kaffee stand auf dem Tisch. "Wer hat die Stiefel geputzt?" rief er.
"Ich!" riefen Traute, Rosa und Güssy zugleich.
"Gut!" sagte Flametti, zog die Stiefel an, setzte den Hut auf und stapfte davon.
Er ging aber nicht zu den Häslis, sondern begab sich schnurstracks zu Fräulein Mabel Magorah, der indischen Traumtänzerin, Rübengasse 16.IV, die er als Ersatz benötigte.
Auch Jenny stand jetzt auf, gar nicht guter Laune, zog den blauen
Schlafrock über, der wie ein Bügelteppich aussah, band ihn über dem
Leib zusammen und kam zum Vorschein.
Das erste war, daß sie ihre ungeputzten Knöpfelschuhe bemerkte. Sie tat, als merke sie gar nichts, und fragte harmlos, indem sie sich zum Kaffeetisch setzte:
"Wer hat meinem Mann die Stiefel geputzt?"