Das Mieterschutzgesetz, das den Hausbesitzern sowohl die Kündigung der Mieter als die willkürliche Erhöhung der Mietpreise untersagte, fiel also, und vierundzwanzig Stunden später fand eine stürmische Generalversammlung der Hausbesitzer statt, in der beschlossen wurde, die derzeitigen Mietpreise der Teuerung halbwegs entsprechend auf das Tausendfache zu erhöhen. Eine Art Rütlischwur verpflichtete zur unbedingten Einhaltung dieses Beschlusses.

Die Bevölkerung, die ja nur zum geringsten Teile aus Hausbesitzern besteht, geriet in Tobsucht. Arbeiterfamilien mußten nunmehr eine halbe Million im Jahr für ihre Wohnung bezahlen, eine kleine Mittelstandswohnung kostete nicht unter einer ganzen Million! Die Organisation der Hausfrauen, die Gewerkschaften, der Verband der Festangestellten, die Kriegsinvaliden und Kriegswitwen, der Bund der Gewerbetreibenden, sie alle veranstalteten Massendemonstrationen, und durch volle acht Tage wurde in Wien und den Provinzstädten überhaupt nicht gearbeitet, sondern vom Morgen bis in die Nacht demonstriert. Die Zahl der eingeschlagenen Fensterscheiben wuchs erschreckend, und zum erstenmal seit einer geraumen Anzahl von Jahren hörte man auf der Straße den Ruf:

»Nieder mit der Regierung!«

Die christlichen Blätter ebenso wie die deutschnationalen verloren massenhaft Leser, während der Weizen der »Arbeiter-Zeitung« wieder zu blühen begann.

* * *

Herr Zwickerl war schlechter Laune und stocherte wütend in seinem Kirschenstrudel umher, der auf dem Teller vor ihm lag. Frau Zwickerl sah Sturm kommen und beugte vor.

»Anton, was is dir denn wieder über die Leber gelaufen? Geht das Geschäft nicht?«

Das war für Herrn Zwickerl zu viel. Er schob den Kirschenstrudel fort, wurde röter im Gesicht als die Kirschen im Strudel und brüllte:

»Oh ja, das G'schäft geht! Zum Teufel nämlich geht es! Damit du nur weißt, Konkurs muß ich ansagen!«

»Jessasmariandjosef!« kreischte Frau Zwickerl auf. »Wie ist denn das möglich?! Es ist doch immer g'steckt voll im Laden und alle Leut' glauben, daß du eine Goldgruben von dem Juden, dem Leßner, übernommen hast!«