„Sehet, ich komme jetzt von Jerusalem, der heiligen Stadt; der Weg ist sehr weit und voller Gefahr auf Schritt und Tritt. Unsere Feinde lauern uns auf und stellen sich uns in den Weg. Wie eine eiserne Mauer traten sie zwischen mich und euch, daß ich nicht vor dem Feiertag zu euch kommen konnte.“ Dabei bricht er in Tränen aus und klagt bitterlich, die Versammelten aber sitzen, wie versunken in ihre Gedanken; tiefe Stille herrscht im ganzen Hause, nur selten von einem schweren Seufzer unterbrochen.
Aus dem Schmuckblatt zum Sch’foch
Alle sehen nach der Tür; der Vorleser aber gibt ein Zeichen, man öffnet und sogleich tritt der Jüngling ein und geht bis in die Mitte des Zimmers, das Schwert an der Seite, mit Leder gegürtet, den Stock in der Hand und den Sack über den Schultern. An den Füßen trägt er genagelte Sandalen mit aufgebogenen Spitzen und sein Kleid ist über und über bestaubt. Und plötzlich bricht im ganzen Raume ein lauter Jubel los, alle bestürmen ihn mit Fragen.
„Wie geht es Jerusalem, der heiligen Stadt?“
„Wie geht es unsern Brüdern, die dort vor Gott sitzen, im Lande der Herrlichkeit?“
„Wann wird der Erlöser kommen, uns zu erlösen?“
„Bringst du uns eine Botschaft von unserer Befreiung und Erlösung?“
Und er sagt ihnen einen herzlichen Gruß von Jerusalem, von den Weisen daselbst, von den Städten und Dörfern, den Feldern und Hügeln, von den heiligen Gräbern. Und im Namen der Weisen in der heiligen Stadt meldet er ihnen, es seien Zeichen geschehen, daß der Erlöser bald kommen und die eiserne Mauer zerschmettern werde, die sie von der heiligen Stadt scheidet. Und alle lauschen andächtig seinen Worten; dann heben sie die Hände auf und wiederholen viele Male mit langen Seufzern und innigem Schmerz und mit herzlicher Inbrunst: „Ja, so sei sein Wille, so sei sein Wille!“
DER ZAUBERKÜNSTLER.
Von J. L. Perez.