Und wir freuen uns zum Schlusse noch sagen zu können, daß es Wilberforce nicht erging, wie so manchem anderen Wohlthäter der Menschheit vor ihm und nach ihm, daß er erst bei der dankbaren Nachwelt die verdiente Anerkennung fand, während die kurzsichtige Mitwelt sie ihm versagte, oder doch nicht in gebührendem Maße zollte. Nein, die Hochachtung, die er schon zu seinen Lebzeiten selbst bei Feinden und Gegnern gefunden hatte, sie trat sofort bei seinem Tode in das hellste Lichte und machte sich in der ehrenvollsten Weise kund.

Einstimmig erkannte das Parlament dem Verstorbenen die höchste Ehre zu, die England seinen großen Männern zu erweisen pflegt, daß nämlich sein Leichnam in der Westminsterabtei beigesetzt wurde, zur letzten Ruhestätte geleitet von den Mitgliedern des Ober- wie des Unterhauses, ja selbst von einem Prinzen des Königlichen Hauses und von dem Lordkanzler, die es nicht unter ihrer Würde erachteten, bei den Trägern des Leichentuches zu sein.

In seiner Vaterstadt Hull, sowie in York, der Hauptstadt der so lange von ihm vertretenen Grafschaft, wurden an seinem Begräbnistage Gedächtnisfeierlichkeiten für Wilberforce veranstaltet, und während ihm seine Vaterstadt später eine Denksäule errichtete, setzte die ganze Grafschaft ihm ein Denkmal anderer Art, das aber gewiß mehr als eine Denksäule dem Sinne und Geiste entsprach, in welchem der Geehrte während seiner Lebenszeit gewirkt hatte, sie gründete eine Blindenanstalt, zur Ehre seines Namens.

Auf den westindischen Inseln aber legten die Neger, die so viel Ursache hatten, seinen Namen zu segnen, bei der Nachricht von seinem Tode Trauerkleider an, und eben dasselbige that die farbige Bevölkerung in New-York.

Und doch, was waren alle diese Ehrenbezeugungen und Verherrlichungen des Verstorbenen gegenüber der Herrlichkeit, die der Herr im Himmel droben bereit hielt für seinen treuen Knecht, der mit dem reichen Pfunde, welches ihm anvertraut gewesen war, so wirksam gewuchert und im Dienste seines himmlischen Herrn mit hingebender Liebe gewirkt hatte, so lange es Tag für ihn war! Wie ist da gewiß wahr geworden an ihm das schöne Wort des 116. Psalms: »Der Tod seiner Heiligen ist wert gehalten vor dem Herrn«! Wie durfte er dort gewiß voll seliger Freude jubeln mit den Worten desselben Psalms: »O Herr, ich bin Dein Knecht; du hast meine Bande zerrissen.«

Wenn aber der geneigte Leser dieses Büchleins sich gedrungen fühlt, nicht blos den Namen Wilberforce mit Hochachtung zu nennen, so oft er ihm auf die Zunge kommt, sondern sich auch an dem hochgeachteten Manne ein Vorbild zu nehmen, und zwar nicht allein an dem heiligen Eifer für alles Hohe und Heilige, der ihn durchglühte, an der hingebenden Pflichttreue, die ihn nie ruhen ließ, an seiner rührenden Demut und Bescheidenheit, die ihn seiner reichen Gaben, seiner gesegneten Wirksamkeit sich niemals selbst überheben ließ, sondern auch vor allem an dem unermüdlichen, sich selbst nie genug thuenden Dichten und Trachten, sowohl seine eigene Seligkeit zu schaffen, als auch Anderen auf den rechten Weg zur Seligkeit zu verhelfen, soweit dies in Menschenkraft liegt: so ist der innigste Wunsch dessen erfüllt, der diese Blätter geschrieben hat.


Verlag von Julius Niedner in Wiesbaden.

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Aus der Maje.