»Deiner Braut?« schrie Riccardo.

»Meiner Braut,« erwiderte Emilio ruhig.

Da fielen die Arme Riccardos schlaff an seinem Körper herunter, er knickte zusammen, daß ihn die Hand seines Freundes, der immer noch sein Wams festhielt, nicht halten konnte; er sank in die Kniee und sagte mit bleichen Lippen: »Deiner Schwester bist du sicher! Das sagt jeder Bruder! Dann ist ja alles gut,« lispelte er vor sich hin, »alles gut.«

So sank er in den Staub des Weges.

Emilio aber, dem die vergangenen Stunden das lang ersehnte Glück gebracht hatten, beugte sich über ihn, ein inniges Mitleid mit dem Kameraden erfüllte ihn, er trocknete ihm den kalten Schweiß von der Stirne und dann erhob er sich und rief nach Beppino, er möge Wein bringen. Den flößten sie dem Kraftlosen ein, und langsam, langsam kehrte das Blut wieder in seine Wangen zurück. Er stützte sich auf seinen rechten Arm, er blickte Emilio lange an und dann schickte er Beppino wieder weg. Er schüttelte das Haupt, als müsse er sich erst langsam auf etwas besinnen, dann drückte er Emilio die Hand und sagte leise: »Francesca.« Dann umarmte er Emilio und ein schwergeborenes Schluchzen erschütterte seinen Körper: »Maria,« sagte er innig, »die reine, heilige Maria! Man muß auch zum Frevelnkönnen stark sein, Emilio, und ich bin ein Feigling! Stelle mich vor eine Gefahr und ich bin ein Held! Und doch bin ich ein Feigling! Ich wollte sterben, von dir wollte ich den Freundschaftsdienst erzwingen, aber es gelang mir nicht; weil du ein guter Mensch bist und ich ein schlechter. Ich bin ausgezogen, um meine entehrte Schwester zu rächen, an ihrem Verführer ...«

Er wollte ›Ermete‹ sagen, da besann er sich, daß Emilio die Schwester seines Todfeindes liebe und sie ihn, er fühlte eine unendliche Rücksicht für seinen Freund, für den Bruder Marias, die er liebte, und da schwieg er.

Aber Emilio hatte die letzten Worte Riccardos gehört, er erinnerte sich eines Gespräches mit einem Genueser Freunde kurz nach seiner Landung, da er sich nach Ermete Palma erkundigt hatte, wohl um vielleicht über Francesca etwas zu hören. Und er entsann sich einer Äußerung des Genuesen, daß Ermete in den Banden von Riccardos Schwester schmachte. Eine schmerzhafte Erkenntnis erleuchtete die Wirrnis seiner Gedanken, er umarmte Riccardo und küßte ihn auf das feuchte Haar:

»Was mußt du gelitten haben, armer Freund! Was mußt du für furchtbare Tage erlebt haben!«

Da löste sich in den Armen Emilios auch der Schmerz Riccardos und er sagte: »Ich schäme mich meiner Tränen nicht, sie tun mir wohl wie deine Güte. Aber ich habe in diesen Tagen wie ein Schuft handeln wollen, aus Schwäche und aus Verzweiflung, und ich bin um eine Erkenntnis reicher geworden. Ich bin nicht mehr wert, irgend einen Menschen zur Verantwortung zu ziehen, aber ich bin auch unwürdig einen Menschen zu lieben! Und wenn dein Schwager Ermete heimkehrt, Emilio, dann erzähle ihm von dieser Stunde, vielleicht macht sie ihn zum Manne! Und nun laß uns scheiden!«

Er erhob sich vom Boden und Emilio half ihm schweigend das Pferd besteigen. Er fühlte, daß Worte Worte bleiben müßten und so drückte er seinem Freunde, der bleich und ernst im Sattel saß, nur stumm die Hand.