Er sagte dies so seltsam, daß Emilio auffuhr:

»Hat man dich im Schlosse beleidigt? Was ist geschehen?«

»Man hat mich nicht beleidigt,« lächelte Riccardo trüb, »aber ich habe mich schuldig gemacht, Emilio!«

»So sprich doch klar, ich verstehe dich nicht! Womit und wen hast du gekränkt? Es ist ja nicht möglich! Foltere mich doch nicht, gerade heute nicht!«

Da senkte Riccardo den Blick und sprach mit erregter Stimme: »Emilio, hast du in deinem Leben schon ein reines Mädchen verführt? Wir sind jung und heiß, und ich bin nicht anders als du und die anderen jungen Nobili. Hast du ein Mädchen verführt und dabei jemals an den Jammer der Betörten, an das Elend ihrer Mutter, an das Unglück ihrer Geschwister gedacht? Niemals kam dir der Gedanke daran, das weiß ich. Ich kenne uns. Aber was würdest du sagen, Emilio« – in den Augen Riccardos war ein Lauern, und seine kalte Stimme bewies, daß er diese Worte den ganzen Nachmittag über vorbereitet hatte – »was würdest du sagen, was würdest du tun, wenn du erführest, daß deine – Schwester verführt worden ist?«

Da faßte ihn Emilio an der Brust, er hatte seinen Degen gezogen und hielt ihn stoßbereit erhoben: »Du bist wahnsinnig, Riccardo, was sprichst du für rasende Tollheiten? Du bist von Sinnen! Rede, oder du erlebst den nächsten Augenblick nicht!«

Aber Riccardo lachte auf, befriedigt, als ginge alles nach Wunsch, und dann schrie er Emilio in die Ohren: »Stoß zu, Emilio, stoß zu, ich habe deine Schwester verführt, aus Irrtum verführt, denn ich hatte es auf Francesca abgesehen, die Schwester Ermetes! Du weißt ja, wie ich mich schon gestern auf dem Ritte nach ihr erkundigt habe!«

Er lachte grausam und höhnend und schrie noch einmal: »Stoß zu!«

Aber Emilio hatte den Arm mit dem Degen sinken lassen, er sah entsetzt in das verzerrte Antlitz Riccardos und warf den Degen beiseite:

»Du bist von Sinnen, Riccardo,« sagte er schwer aufatmend, »du bist toll!« Und dann stand er aufrecht und stolz vor Riccardo, der ihn hilflos anblickte, und sagte mit verachtendem Munde: »Und meiner Schwester bin ich so sicher wie meiner Braut!«