Er blieb stehen und reichte Maria die Hand. Da sprach sie, indes sie seine Rechte in ihrer Hand hielt:
»Sprecht mit Emilio, er wird Euch trösten können, er wird Euch, das hoffe ich, zu uns zurückbringen. Seid meines innigen Mitleids gewiß, denn ich sehe, daß Ihr sehr leidet, wenn ich auch die Ursache Eures Schmerzes nicht verstehen kann. Seht, ich lebe sorglos und heiter meine Jugend dahin, und Ihr seid der erste Mann, den ich von einem tiefen Leid erschüttert sehe, von einem Leid, das sich gewiß nicht verbergen läßt. Daran werde ich wohl mein Leben lang denken müssen! Und ich würde wahrhaft glücklich sein, wenn ich durch Emilio erführe, daß sich Euer Geschick zum Guten gewendet hat. Das wünsche ich Euch von ganzem Herzen. Lebet wohl!«
Da wallte noch einmal ein heißes Gefühl in Riccardo auf, es drängte ihn zu Maria hin, aber er bezwang sich und so küßte er ihr stumm die Hand. Dann kehrte er langsam mit seinem Pferde um und ging den Waldweg zurück, Emilio zu erwarten.
X.
Es war spät am Nachmittage, als Emilio des Weges daherkam. Beppino hatte indessen das Pferd Riccardos und seinen Mantelsack gebracht und einen Korb mit Speis und Trank, den Maria geschickt hatte; und der Bursch, der ihn geleitet hatte, war mit dem Pferde da Spadas wieder heimgeritten. Beppino saß unmutig bei den Rossen, es hatte ihm in Bosco rado gut gefallen und er hatte gehofft, sich nun endlich ordentlich ausfaulenzen zu können. Sein Herr aber saß schwermütig an der Straße, seufzte oft, ballte die Fäuste oder fuhr mit der Rechten durch die Luft und schaute dann wieder sehnsüchtig in der Richtung von Selva nera, ob Emilio noch nicht kommen wolle.
»Endlich, endlich!« rief er nun, als sein Freund heiter dahergesprengt kam, »du hast lange auf dich warten lassen!«
Emilio sah erstaunt in das verstörte Gesicht Riccardos, er sah verwundert Beppino mit den bepackten Pferden und sprang neugierig aus dem Sattel.
»Hast du lange auf mich gewartet?« fragte er. »Hast du denn Maria nicht getroffen, die doch schon Mittag zurückgeritten ist?«
Er übergab Beppino auch sein Pferd und trat zu Riccardo, der ihn bei der Hand nahm und seinem Diener winkte, sich zurückzuziehen.
»Ich habe mit deiner Schwester gesprochen, Emilio; sie weiß, daß ich hier auf dich warte, um mich von dir zu verabschieden; denn ich muß noch heute fort von hier.«