»Mein liebes, holdes, einziges Weib!« jubelte er, und, da eine Lerche sich vor ihnen tirillierend in die Lüfte schwang, da war es ihm, als ob seine Seele auch Flügel hätte, und plötzlich sang er der beschwingten Sängerin seinen Gruß zu:
»Tandarada, Tandarada!
Welch ein Wunder mir doch geschah!«
Und er hat dieses Lied sein Leben lang weitergesungen!
Ihr lieben, guten Menschen aber, denen ich bis hierher wahrheitsgetreu und zu Gefallen diese Legende berichtet habe, nun seid mir nicht böse: ich weiß keinen Schluß dazu. Ich weiß nicht, wie sich der – Gott sei bei uns! –, wie sich der Böse mit der Mutter Gottes auseinander gesetzt hat! Und ob er auf seine gewonnene Wette sehr stolz ist! Denn ihr werdet doch gewiß, ihr guten und lieben Menschen, nicht verlangen, daß ich, nur um euch einen Schluß zu dieser Legende berichten zu können, mit ihm hätte sprechen sollen! Gott sei meiner Seele gnädig!
Aber eines ist wahr! In dem Kloster, daraus die Gräfin Clarissa von Schwarzenburg als Nonne entwichen, und fern, fern in der hohen Alpenkapelle, wo sie ihre armseligen Spiegelscherben der Mutter Gottes weihte, hängen zwei Bilder, von einer Künstlerhand gemalt und beide berühmt ob ihrer Schönheit und Wunderkraft für unglückliche Liebesleute: die Madonna, die in der Hand ein Spieglein hält und sich holdselig und lächelnd in dem Glase betrachtet....
Von Hugo Salus erschienen bisher:
Novellen des Lyrikers. Dritte Auflage. Egon Fleischel & Co., Berlin.
Gedichte. Zweite Auflage. Albert Langen, München.