Agathe. Ja, den abscheulichen Brief.
Hans Karl. Ich verstehe Sie nicht. Es war ein sehr freundschaftlicher Brief.
Agathe. Das war ein perfider Brief. So gezittert haben wir, als wir ihn gelesen haben, diesen Brief. Erbittert waren wir und gedemütigt!
Hans Karl. Ja, worüber denn, ich bitt' Sie um alles!
Agathe (sieht ihn an). Darüber, daß Sie darin den Grafen Hechingen so herausgestrichen haben — und gesagt haben, auf die Letzt ist ein Mann wie der andere, und ein jeder kann zum Ersatz für einen jeden genommen werden.
Hans Karl. Aber so habe ich mich doch gar nicht ausgedrückt. Das waren doch niemals meine Gedanken!
Agathe. Aber das war der Sinn davon. Ah, wir haben den Brief oft und oft gelesen! Das, hat meine Frau Gräfin ausgerufen, das ist also das Resultat der Sternennächte und des einsamen Nachdenkens, dieser Brief, wo er mir mit dünnen Worten sagt: ein Mann ist wie der andere, unsere Liebe war nur eine Einbildung, vergiß mich, nimm wieder den Hechingen —
Hans Karl. Aber nichts von allen diesen Worten ist in dem Brief gestanden.
Agathe. Auf die Worte kommt's nicht an. Aber den Sinn haben wir gut herausbekommen. Diesen demütigenden Sinn, diese erniedrigenden Folgerungen. Oh, das wissen wir genau. Dieses Sichselbsterniedrigen ist eine perfide Kunst. Wo der Mann sich anklagt in einer Liebschaft, da klagt er die Liebschaft an. Und im Handumdrehen sind wir die Angeklagten.
Hans Karl (schweigt).